Gamma Ray - Empire Of The Undead - Cover
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Gamma Ray Empire Of The Undead


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Einige echte Highlights retten vor der fast durchgängig drohenden Mittelmäßigkeit.

Das Jahr 2014 hat für den Power Metaler so einiges zu bieten. Edguy schauen mit ihrem „Space Police: Defenders Of The Crown“ vorbei, Sonata Arctica sowie Freedom Call veröffentlichen ihre „Pariah's Child“ bzw. „Beyond“ und melden sich mit einer jeweils unerwarteten Stärke zurück. Die Genre-Pioniere Gamma Ray hingegen erscheinen schon vorab als tragische Gestalt. Das hat weniger etwas mit der elften Langrille „Empire Of The Undead“, sondern vielmehr mit dem schrecklichen Brand in den Hamburger Hammer Studios zu tun. Viele Bands verloren im November 2013 vom einen auf den anderen Moment ihre Heimat. „Fast alles wurde zerstört, bis auf die Tapes des fast fertigen Albums“, lässt Bandkopf Kai Hansen verlauten - Glück im Unglück also. Mit dem typischen Gamma-Ray-Optimismus lässt man sich nicht hängen, sondern machte einfach in einem anderen Studio weiter. Der Titel „Heading For Tomorrow“ vom Band-Erstling, gilt also noch 23 Jahre später. Auf diese Herren ist einfach Verlass!

Mit „Master Of Confusion“ und dem Titeltrack finden sich direkt zwei Songs, die bereits auf der EP „Master Of Confusion“ enthalten waren und dem Fan, der sich die „längste Single des Metals“ im März 2013 gönnte, einen Grund gibt, die Skip-Taste zu drücken. Nicht weil sie schwach sind, sondern weil die Ray-Jünger bei den doch langen Zeiten zwischen zwei Veröffentlichungen, jedes Lebenszeichen ihrer Heroen dankend annehmen. Gut sind beide Songs, wie schon erwähnt, allemal. Besonders „Master Of Confusion“. Dieses ist die typische Hymne, wie sie die Fans der Hamburger lieben. Mit den vielleicht sogar noch besseren „Born To Fly“ und „Seven“ kommen nun sogar zwei Tracks vom gleichen Schlage hinzu. Hier hilft nur eine Ohrwurmkur - möglicherweise im Rahmen eines Konzerts, wo alle drei Songs sicherlich zu zukünftigen Highlights werden dürften? Ansonsten zeigen sich Gamma Ray in gewohnter Spielfreude, aber auch recht überraschungsarm. Sie halten an ihrer relativ modernen Ausrichtung, die sie mit ihrem „Land Of The Free: Part II“ (2007) vorsichtig etablierten, fest. „Hellbent“ und das folgende „Pale Rider“ sind ziemlich harte, brachiale Power Metaler, was mitunter ein wenig aufgesetzt klingt („Burn motherfucker, feel the flame“) und den letzten Funken nicht überspringen lassen will. „Demonseed“ und das opulente „I Will Return“ machen es da schon besser, wenn auch nicht wirklich bemerkenswert. Die zackige Vorgehensweise von „To The Metal“ (2011) trifft auf den traditionellen Sound Gamma Rays, was dann wie ein Kompromiss wirkt, den die Band aus Hamburg eigentlich nicht nötig gehabt hätte.

Dafür haben Kai und seine Jungens mit dem Opener „Avalon“ einen unglaublichen Brecher am Start, der die eher mittelmäßigen Nummern, welche „Empire Of The Undead“ dominieren, fast schon wett macht. Der außerordentlich abwechslungsreiche und mitreißende Longtrack ist pure Magie. Hätte die Band jene auch zum Ausstatten des restlichen Materials gebraucht, wäre der elfte Longplayer der Herren zum späten Klassiker geworden. So oder so ist „Avalon“ aber grandios und sicherlich der stärkste Eröffnungssong seit „Beyond The Black Hole“ vom 1997er-Album „Somewhere Out In Space“. Auch die Ballade „Time For Deliverance“ erinnert an die starke Phase der späten 90er-Jahre und ist hörenswert.

Insgesamt ist „Empire Of The Undead“ ein Album geworden, welches zwischen vielen mittelmäßigen Nummern einige echte Klopper zu bieten hat, was das gesamte Werk gerade so über Wasser hält. Eine eher durchwachsene Angelegenheit wie „To The Metal“ ist das elfte Studioalbum Gamma Rays nicht geworden, als Heimat für unsterbliche Klassiker wird das Imperium der Untoten aber auch nur in Maßen taugen. Fans sollen und werden sich ihr eigenes Bild machen. Ein zweites (bzw. drittes) „Land Of The Free“, „Somewhere Out In Space“ oder „No World Order!“ soll niemand erwarten. Das haben uns Gamma Ray aber auch nicht versprochen. Doch es wäre gelacht, wenn sie nicht schon bald wieder mit einem Power-Metal-Schinken um die Ecke kämen, den keiner erwartet hätte. „Life is too good to stop and moan“, sagt der gute Kai Hansen und damit soll er Recht behalten.

Anspieltipps:

  • Avalon
  • Born To Fly
  • Time For Deliverance
  • Seven

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