The Used - Imaginary Enemy - Cover
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The Used Imaginary Enemy


  • Label: Hopeless Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Band im Spagat: The Used befinden sich abermals zwischen zwei Fronten, doch es klappt besser, als beim letzten Album.

Womöglich wollen The Used auf ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum ihrem Namen alle Ehre machen. Hört man sich „Imaginary Enemy“ an, fühlt sich der Hörer nämlich ziemlich schnell benutzt. Als Empfänger politischer Statements zum Beispiel, die man von der amerikanischen Band so gar nicht gewohnt ist. „Revolution“ heißt der erste Song und läutet gleich mal ein, womit sich die Band um Sänger Bert McCracken diesmal beschäftigt und womit nun die Konsumenten konfrontiert werden. Obwohl es zwischendurch etwas ruhiger zugeht, greifen die Amerikaner spätestens ab Lied Nummer vier, „A song to stifle imperial progression“, mit ironischen Lobeshymnen („God bless the USA“) erneut an und an dieser Stelle spätestens sollte gesagt werden: sie treffen einen Nerv. Konzentriert man sich auf den gesamten Song und blendet den Krach für einen Moment aus, dann entsteht etwas, das nicht nur Potenzial, sondern sogar eine Message hat!

Ansonsten ist es wie immer auf Alben von The Used: der Herzschmerz und der damit verbundene Hass kommen nicht zu kurz, die Themen sind verpackt in kräftige, rockige Stücke. Im Gegensatz zu den letzten Werken hat es die vierköpfige Band jedoch geschafft, auch poppige und eingängige Songs zu schreiben, die Hardrock-Fans nicht gänzlich auf den Geist gehen dürften und tatsächlich Spaß machen können: „El-Oh-Vee-Ee“, „Generation throwaway“ oder „Cry“ sind sicherlich keine Meisterwerke der Musikgeschichte, aber sie funktionieren und sie passen ins Konzept.

Überhaupt steckt der Teufel mal wieder im Detail: Die Faszination um die Band entsteht nicht durch Pop-Balladen, die der gängige Radiohörer als seine Lieblingshits bezeichnet. Deshalb sind Songs wie „Make believe“ zwar massentauglich, verraten aber die Ideale der Band. Während der erste Teil der Platte auf das setzt, was Fans von The Used schätzen, nämlich zarte Finessen zwischen donnerndem Rock, rutscht der zweite Teil sehr Richtung Mainstream-Pop ab. Deshalb sind die Feinde vielleicht gar keine Einbildungen, wie der Albumtitel suggeriert, sondern mal wieder näher an der Realität, als einem lieb ist. Schließlich versuchen sich die aus Utah stammenden Musiker mal wieder an einem Spagat: Sie wollen es allen Recht machen und landen in der Mitte - in der breiten Masse, die einen schnell untergehen lässt.

Fairerweise sollte jedoch betont werden: Dieses Album ist nicht schlecht. Im Gegenteil. Der Opener ist vielversprechend und es folgen einige ebenbürtige Songs. Natürlich können die Feinheiten nicht beim ersten Mal Hören entdeckt werden, aber seien wir ehrlich: Diesen Anspruch hatte bisher keines der The-Used-Alben - und das ist auch gut so. Die Gitarren sind stark genug, um ihrem Platz im Rock-Ensemble gerecht zu werden, die Balladen laut genug, um nicht unterzugehen, die Synth-Beats sparsam genug eingesetzt, um nicht zu sehr in Richtung Elektronik abzudriften, die Texte zumindest teils mit der Band gewachsen. Kurzum: Es ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung und diese führt „back to the roots“.

Anspieltipps:

  • Revolution
  • El-Oh-Vee-Ee
  • A Song To Stifle Imperial Progression
  • Cry

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