Future Islands - Singles - Cover
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Future Islands Singles


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Recht guter Synth-Pop, dem zwar der Mut zur Kante fehlt, der aber trotzdem Spaß macht.

Manchen Bands sähe die Veröffentlichung eines „Best of“-Albums nach drei Studiowerken ähnlich, doch bei Future Islands handelt es sich zum Glück um einen vielleicht unbewusst unglücklich gewählten Titel, denn „Singles“ besteht tatsächlich aus komplett neuem Elektro-Pop-Material des amerikanischen Quartetts. Gleichzeitig ist es ihr Debüt auf dem 4AD-Label, auf dem unter anderem Twin Shadow, The National und Grimes gesigned sind.

Die vier Jungs befinden sich also in guter Gesellschaft. Wirklich nötig scheinen sie diese aber nicht zu haben. Musikalisch bewegen sie sich zwar auf festem Synthie- und Disco-Boden, zusätzlichen Anstoß, Elemente anderer Genres einfließen zu lassen, braucht es aber nicht. Wer den Refrain einer Ballade auf einem ohnehin schon ruhigen Album mit Metal-Screams ausstattet („Fall From Grace“), weiß was er tut. Warum auch nicht, im elektronischen Bereich ist die Band schlichtweg grundsolide. Seien es Nuancen von Italo-Disco, zu denen sie ab und zu tendieren („A Song For Our Grandfathers“, „Like The Moon“), oder seichter Rock („Seasons“): es gibt von technischer Seite herzlich wenig zu meckern.

Einzig Sänger Welmers könnte ab und zu etwas markanter klingen. Dass er dazu in der Lage ist, beweist er leider erst beim vorletzten Song. Immerhin vermisst man den Aspekt erst, wenn nur noch knappe sieben Minuten Spielzeit des Albums verbleiben. Ein wenig mehr Tempo täte ihm gut und ein bisschen rauer hätte „Singles“ sicherlich sein können. Über lange Strecken hinweg ist es zwar angenehm anzuhören, verliert sich aber in seiner Weichheit und Glätte zu schnell in der Rolle der Hintergrundbeschallung. Dafür entfalten die Synthie-Spuren unterbewusst, aber relativ schnell, starke Ohrwurm-Qualitäten. Das haben die Genre-Kollegen Chromatics auf Kill For Love allerdings auch hingekriegt, ohne jemals so glatt zu klingen wie Future Islands.

Vor diesem Hintergrund dürfen die Pop-Qualitäten von „Singles“ trotzdem nicht ignoriert werden. Die ansprechenden, wenn auch sehr simplen Melodien bleiben kleben, zu den Texten bewegt man spätestens nach dem zweiten Hördurchgang tonlos die Lippen, auch ohne konzentriert zuzuhören. Ein Werk, das die Ohren und das Hirn des Zuhörers voll in Anspruch nimmt, ist das vierte Future-Islands-Album allerdings nicht, doch das ist auch nicht das erklärte Ziel.

Anspieltipps:

  • Like The Moon
  • Sun In The Morning
  • Fall From Grace

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