Liars - Mess - Cover
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Liars Mess


  • Label: Mute/Goodtogo
  • Laufzeit: 55 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die letzten Liars-Alben waren großartig. Aber das hier, das ist der ganz große Hammer.

Expect the unexpected. Angesichts des Spektrums, der Bandbreite einer Band, die ursprünglich mit alles in Grund und Boden dekonstruierendem Post-Gitarren-Avantgarde-Noise begann und schrittweise und spätestens mit ihrem 2012er Werk „WIXIW“ in elektronische Spielwelten absurder Schönheit versank, sollte dieser Gemeinplatz festes Motto des Trios um Angus Andrew sein.

Liars sind nicht erst seit gestern außergewöhnlich, unberechenbar, mitunter anstrengend und abverlangend. Und da „Mess“ ihr mittlerweile siebentes Album darstellt, kann es selbst dieser Band schwer fallen, noch zu überraschen. Aber was sich hier tut, was sich hier evoziert, was die drei Wahl-L.A.er uns hier in die Fresse schleudern, hat es so noch nicht gegeben. Rave. Techno. Ekstase. Von einem Trio, das mit den Jahren immer reflektierter und für seine Verhältnisse umsichtiger wurde. Die totale Kehrtwende. Ein Alptraumrausch aus insektoiden digitalen Krabbeleien überzieht uns eine knappe Stunde lang, gespickt mit explosiven Beataufschichtungen und manischen, ums Eck daherkommenden, verzerrten Gesangs- und Sprechparts.

Gefangene werden nicht gemacht, es geht sofort ans Eingemachte; „Mask Maker“, „Vox Tuned D.E.D.“, „I'm No Gold“ und „Pro Anti Anti“ feuern aus allen Rave-Rohren und sind beängstigend komplex, unwiderstehlich tanzbar und popstrukturell extrem. Die mittig platzierte Vorab-Single „Mess On A Mission“ hat also nicht getäuscht: Hier regiert die elektronische Vielschichtigkeit des Liars´schen Exzesses.

Dass man gegen Ende der manischen Reise in schizophren akzentuierte Soundandächtigkeiten driftet („Perpetual Village“, „Left Speaker Blown“), die dem melancholischen Elektronica-Versuch „WIXIW“ von 2012 recht nahe kommen, rundet den digitalen Trip in die Tollheit des bereits in New York, Berlin oder Los Angeles kreativ gewordenen Dreiers ab.

Liars haben sich ihr, uns hier vor die Ohren geworfenes, musikalisches Selbstbewusstsein hart erarbeitet. Woran die Kanye Wests dieser Popwelt nie heranreichen werden, ist Liars spielend, konsequent und zielsicher gelungen: Pop, der Kunst ist, der eine Herausforderung ist, der komplex, anspruchsvoll und gleichzeitig eingängig ist. In Reinform.

Anspieltipps:

  • Vox Tuned D.E.D.
  • Mess On A Mission
  • Mask Maker
  • Dress Walker

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