Gallon Drunk - The Soul Of The Hour - Cover
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Gallon Drunk The Soul Of The Hour


  • Label: Clouds Hill/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Gallon Drunk ergießen sich auf „The Soul Of The Hour“ zwar in längeren, doch dafür weitaus zugänglicheren und knackigeren Arrangements als auf dem Vorgänger.

Kritiken zum Vorgängeralbum „The Road Gets Darker From Here“ teilen sich grob in zwei Klassen. Mal werden stumpf stampfende Rocker als rigoros und direkt gefeiert oder eben als ziellos abgetan. Wenn man auf die Melodien der Band nicht anspringen wollte und die doch sehr schleppend dreckigen Rocksongs einen nicht direkt ansprangen, dann war es mit der Herrlichkeit schnell vorbei. Auf „The Soul Of The Hour“ haben sich Gallon Drunk daher darauf besonnen, nicht einfach nur rau und hart zu klingen, sondern die ganze Schose mit leicht ins Blut gehenden Melodien zu untermalen.

Passend dazu offenbart sich das Cover des neuen Albums als eine Ansammlung von kräftigen und dick aufgetragenen Pinselstrichen, welchen nur die trockenen, knackenden Stellen fehlen, um die Musik auf der neuen Scheibe visuell darzustellen. Zwar nimmt sich die Band mit „Before The Fire“ viel Zeit, bevor die uns bekannten Gallon Drunk ertönen. Ein düsteres Piano, treibende Drums und ein stimmiger Bass hetzen sich minutenlang gegenseitig auf, bis Bläser triumphal (nach mehr als einem Fünftel der Gesamtspieldauer eines Songs!) das eigentliche Album einläuten.

Das der am ehesten dem Garage-Rock zuzuordnende Track mit „The Dumb Room“ direkt auf den kunstvollsten folgt, ist mehr als befremdlich, doch sobald man sich vom Blues hat packen lassen, wird diese Logik nicht mehr hinterfragt. Gleich danach gibt es dann noch eine Hymne, die, abgesehen vom Gesang, vom Black Rebel Motorcycle Club hätte stammen können. Dieser Vergleich bedeutet auch, dass Gallon Drunk Melodien geschaffen haben, die sich tatsächlich einfräsen und nicht bloß über den Hörer hinweg stürmen.

In Anbetracht dieser geradlinigen und zielgerichteten Musik ist es auch kein Problem, dass der Titeltrack in über sieben Minuten an alte Muster erinnert. Dank der nötigen Grundlage durch die umliegenden Tracks wirkt der Song nicht ermüdend, sondern ist das wilde und ungestüme Herz dieser Rockband. Wirklich schwer tut sich lediglich das etwas zu gemächliche und dadurch repetitiv wirkende „Over And Over“. Bei nur sieben Liedern können Gallon Drunk diesen Bremsweg vorm ebenfalls zündenden Finale „The Speed Of Fear“ und die beruhigende Ballade „Dust In The Light“ gut verarbeiten.

Gallon Drunk haben nicht die Weltformel entdeckt und mutieren mit einem Mal zu den absoluten Überfliegern, doch mit „The Soul Of The Hour“ scheinen die Londoner ihre eigene Essenz begriffen zu haben und präsentieren sich auf passende Art. Wenn der Grundton dieser Band Hörer vorher abgeschreckt hat, wird die neue LP niemanden umstimmen. Unentschlossene, denen besonders der melodische Zugang gefehlt hat, können sich jedoch getrost auf das neue Machwerk einlassen und sich doch tatsächlich in der Musik von Gallon Drunk verlieren.

Anspieltipps:

  • The Exit Sign
  • Dust In The Light
  • The Dumb Room

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