Twilight - III: Beneath Trident´s Tomb - Cover
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Twilight III: Beneath Trident´s Tomb


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Zielgruppen? Zielgruppen sind doch nur was für Bands!

„Twilight has already announced they are breaking up”, heißt es im letzten Absatz zum dritten Werk „III: Beneath Trident´s Tomb” der Black Metal-Supergroup rund um N. Imperial (Gesang, ), Stavros Giannopoulos (Gitarre, Gesang, ), Sanford Parker (Synthesizer, Produktion, ), Wrest (Schlagzeug, Bass, Gesang, ) und Thurston Moore (Gitarre, ). Wieso man dieser Platte nun mehr als nur ein halbherziges „meh” gönnen soll, ist schnell erklärt: Twilight wandeln mit ihrem (scheinbar) letzten Werk erneut dermaßen unbeirrt durch alle Schubladen, dass man seine Ohren einfach nicht abwenden kann.

Dabei ist der avantgardistische Ansatz der bunt zusammengewürfelten Truppe, die in einer früheren Reinkarnation mit Herrschaften aus renommierten Bands wie Isis oder Xasthur ein Studio geteilt hat, keineswegs nur Mittel zum Zweck, um hervorzustechen, sondern ein Werkzeug, das nach Belieben eingesetzt und verwendet wird. Bereits in dem stur voranschreitenden, von Noise und Verzerrung gepeinigten Auftakt „Lungs“ entwerfen Twilight nicht nur ein musikalisches Gebilde, sondern gestalten auch auf einer plastischen Ebene ein beunruhigendes Gemälde, welches nicht unbedingt schön an sich ist, inmitten des ganzen Krawalls aber trotzdem eine interessante Melodie findet, die es zu entdecken gilt.

Diese Gegensätze, dieses Verweilen der Schönheit im Inferno des Hässlichen, sind die Triebfeder und das Markenzeichen Twilights für das Gelingen einer einzigartigen Achterbahnfahrt quer durch einen Black-Metal-Maelstrom voll unglaublicher Energie („Oh, wretched son“), präzise geformten Wall Of Sounds („Swarming funeral mass“), die keine Scheu haben, unterschwellig das monotone Ticken einer Uhr nachzuahmen und in weiterer Folge als Stilelement zu etablieren, oder das Trommelfell mit derartig grässlichen Hochtönen zu malträtieren, dass man nicht weiß, ob man leiser drehen oder sich auf diese kraftvoll-sonische Erfahrung einlassen soll, und einem unerwartet bodenständigen Industrial-Vibe, der das Spiel mit Endlosschleifen um einen einzigen, großen Aha-Moment herum baut („Below lights“).

Es muss aber nicht immer laut, hässlich und abstoßend sein, was Twilight dem schweigsamen Connaisseur vorsetzen, denn obwohl „Seek no shelter, fevered ones“ mit langgezogenen Schreien anfänglich scheinbar gar niemanden ansprechen will, sorgt ein plötzlicher Rhythmuswechsel für die Entstehung eines übergroßen Wirbelsturms, der alle bisherigen Spuren zusammen bündelt und die Komposition auf diese Art und Weise in eine transzendentale Erfahrung umwandelt, die den Hörer sprachlos zurücklässt. Ähnliches widerfährt dem geneigten Käufer auch in „A flood of eyes“, einem astreinen Stimmungsgebilde, das den Gedanken verfolgt, Black und Post Metal als rauschhafte Einheit abzubilden und dies mit herausnehmender Brillanz meistert. „III: Beneath Trident´s Tomb“ beweist damit ein für alle Mal: Musik ist besser als alle Drogen dieser Welt. Und das sogar ohne jegliche Nebenwirkungen.

Anspieltipps:

  • Below Lights
  • A Flood Of Eyes
  • Seek No Shelter, Fevered Ones

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