Tom Hickox - War, Peace & Diplomacy - Cover
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Tom Hickox War, Peace & Diplomacy


  • Label: Fierce Panda
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Tiefe Emotionen, erzeugt von Stimme und Klavier.

Katy Perry ist ein Pop-Phänomen. Sie trifft mit ihren simplen Melodien nicht nur den Geschmack der versammelten Teenagerschaft von heute, sondern bisweilen auch den Zeitgeist einer ganzen Generation. Singles statt Alben, Kommerz statt Konzept. Dabei ist das keinesfalls als Kritik zu verstehen. Die Perry weiß, wie’s geht, hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und verdient sich mit ihren Pophymnen dumm und dämlich. Sie hat 2.284.119 Follower bei Spotify. Sie ist ein Popstar. Warum das wichtig ist? Weil es oft hilfreich ist, die krassesten Gegensätze gegenüberzustellen, um die Qualitäten der einzelnen Extreme schätzen zu lernen.

Tom Hickox ist kein Popstar. Er hält nicht viel von seichter Popmusik, hinter seinen Liedern steckt mehr, etwas Besonderes. Ruhige Instrumentierung, bevorzugt Klavier und Gitarre, dazu sein stimmungsvoller und unaufgeregter Gesang. Eine Idee Nick Cave hier, ein Hauch Leonard Cohen da und mit viel Fantasie eine Brise Johnny Cash über allem. Und das alles mit gerade einmal 32 Jahren.

„War, Peace and Diplomacy“ beginnt ruhig. „See how the eagle flies“ wimmert Hickox ins Mikro, das monoton schüchterne Schlagzeug bleibt bei „The Angel Of The North“ im Hintergrund. Viel komplexer wird es nicht mehr, vielmehr dient die oft zurückhaltende Instrumentierung als Stilmittel, um die intensive, meist sehnsüchtige oder traurige Stimmung des Albums zu vermitteln. Bloß keine Reizüberflutung, weniger ist mehr.

„The Pretty Pride Of Russia“ kommt als wunderschöne Ode an Hickox’ Heimat England daher. „I look out from my window at the cotton fields below / and wonder what it’s like in England“. Ob man will oder nicht, man hat diesen sehnsüchtigen Mann vor Augen, wie er am Fenster sitzt und seine Blicke in die Ferne schweifen lässt. Mit seinem träumerischen Klavier einer der besten Songs der Platte. Ebenfalls wunderbar. „White Roses Red“, in dem Hickox stimmlich aus sich herausgeht und das klaviergetragene „Let Me Be Your Lover“. „Let me be your lover / Let me be your friend / Let me be beside you / whenever it’s the end“.

Ins Radio kommt Hickox mit seinen musikalischen Kleinoden sicherlich nicht. Muss er auch nicht, will er auch nicht. Tom Hickox ist kein Popstar, sondern ein Musiker, der seine Nische gefunden hat und die Lücke ausfüllt, die seine großen Vorbilder hinterlassen haben oder hinterlassen werden. Übrigens: Bei Spotify folgen dem Briten stolze 48 Personen. Ein Phänomen ist er trotzdem.

Anspieltipps:

  • The Angel Of The North
  • The Pretty Pride Of Russia
  • White Roses Red
  • Let Me Be Your Lover

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