Lacuna Coil - Broken Crown Halo - Cover
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Lacuna Coil Broken Crown Halo


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem Besten aus 20 Jahren Lacuna Coil folgt ein mittelmäßiges Zugeständnis an den US-Massenmarkt.

Dark Adrenaline“ (01/2012) war mit Sicherheit nicht das innovativste Album, das die italienische Truppe bestehend aus Goldkehlchen Cristina Scabbia (Gesang), ihrem rauen, männlichen Widerpart Andrea Ferro (Gesang) sowie Marco Biazzi (Gitarre), Cristiano Migliore (Gitarre), Marco Coti-Zelati (Bass) und Cristiano Mozzati (Schlagzeug) ihren Fans vorgesetzt hat, es zeugte aber zumindest von einer stimmungsvollen Einheit aus den härteren und anschmiegsameren Parts der mittlerweile fast 20-jährigen Bandgeschichte und bezog ihre Energie aus dem zur Perfektion getriebenen Wechselspiel zwischen weltumarmenden Melodien und zackigen Gitarrenriffs. Anhänger der ersten Stunde beklagten sich zwar über die schwindenden Gothic-Einflüsse, dafür knackten Lacuna Coil im Gegenzug aber erneut die amerikanischen Billboard Charts und enterten diese auf dem 15. Platz.

Leider ist genau dieser Erfolg nun der Sargnagel für das siebte Studiowerk „Broken Crown Halo“, das nun nicht mehr nur die kommerzielle Schiene in Nuancen bedient, sondern sich beinahe vollends das Radiotauglichkeitsschild umgehängt hat. Da trösten auch nicht die vollmundigen Versprechungen über Anlehnungen zur Filmographie des Horrorfilmregisseurs Dario Argento oder Aussagen wie „Filme wie ‘Deep Red‘, ‘Suspiria‘, ‘Planet Of The Vampires‘ oder ‘Once Upon A Time In The West’ und Musiker wie Ennio Morricone und Stelvio Cipriani haben definitiv ihre Spuren bei uns hinterlassen - und tun das auch heute noch… Marco arbeitet oft an Songs, indem er diese alten Filme oder z.B. Dokumentationen über Kriege ohne Ton laufen lässt und zu den Bildern Musik macht“ über das ausgewaschene und deutlich kantenlosere Profil hinweg, schließlich wurde mit Jay Baumgardner (Papa Roach, Evanescence, P.O.D.) einer der Rock- und Metalproduzenten für organisierten Charterfolg engagiert, der der teilweise etwas ruppigen, aber zumindest charmanten Arbeit des bis zur Veröffentlichung von „Shallow Life“ (04/2009) als Haus- und Hofproduzent verpflichteten Waldemar Sorychta (Samael, Tiamat, Moonspell) zu keiner Zeit das Wasser reichen kann.

Im Gegenzug zu düsteren Melodien und kantigen Rhythmen erwarten den Hörer nämlich diesmal Oberflächlichkeiten am laufenden Band, die mit der emotionalen Wucht eines „Comalies“ (10/2002) oder „Karmacode“ (03/2006), sowie der gelungenen Mischung aus Hart und Zart des Vorgängerwerkes nicht mehr viel gemeinsam haben. Der Opener „Nothing stands in our way“ zelebriert zwar die unaufhaltsame Erfolgsgeschichte des italienischen Gespanns als hymnischer Metaltrack, bleibt unter der Oberfläche aber äußerst konturlos. Ähnlich verhält es sich auch mit „Hostage to the light“, das als Light-Variante einer Paradise Lost-Komposition grundsätzlich keine schlechte Figur abgibt, aber neben den Gothic Metal-Anfängen der Truppe blass bleibt. Dazwischen schummeln sich schmerzhafte Belanglosigkeiten wie das Nu-Metal infizierte „Victims“, das seelenlose „I forgive (but I won't forget your name)“, die durch Elektrogeplucker und eigentümlichen Rhythmus als Fremdkörper installierte Nummer „Die and rise“ oder die schlichtweg langweiligen, da am Reißbrett entworfenen Stücke „Infection“, „In the end I feel alive“ und „Zombies“.

Die Kohlen aus dem Feuer holen hingegen die James Bond-Streicher in „Cybersleep“, die für ein angenehmes Kinogefühl sorgen, der asiatische Unterbau, welcher in „I burn in you“ zwar nicht vollständig gleichberechtigt in den Song eingewoben wurde, aber zumindest als interessante Klangfarbe angesehen werden kann, und das ausnehmend düstere, von seiner grandiosen Stimmung getragene „One cold day“, welches einen hoffnungsvollen Schlusspunkt setzt. Nichtsdestotrotz können diese Pluspunkte nicht darüber hinweg täuschen, dass „Broken Crown Halo“ über weite Strecken mit stoischer Mittelmäßigkeit agiert, um das auf eine etwas härtere Gangart sensibilisierte, amerikanische Radiopublikum nicht zu verschrecken, anstatt weiter am bisherigen Kurs, der sündigen Verschmelzung aus Gothic und Pop, festzuhalten. Wenn dies bedeutet, dass Lacuna Coil ab diesem Werk verstärkt auf Pop-Elemente zurückgreifen wollen, damit die Erschließung des US-Marktes womöglich nicht wieder aus den Händen gleitet, sollten sich Cristina & Co. allerdings gut überlegen, ob es wirklich eine gute Idee ist, mit schwachen Kompositionen vom Reißbrett der treu ergebenen Fanbase ans Bein zu pinkeln, oder ob ein neues Stilkonzept nicht sinnvoller wäre.

Anspieltipps:

  • Cybersleep
  • One Cold Day
  • Hostage To The Light

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