Jack Bruce - Silver Rails - Cover
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Jack Bruce Silver Rails


  • Label: Cherry Red/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Cream-Legende überrascht mit einem neuen Solo-Album.

Als Sänger, Bassist und Komponist der legendären Blues-Rock-Formation Cream erlangte er neben Eric Clapton und Ginger Baker Weltruhm. Mit seinen Solo-Arbeiten, die ihn als Grenzgänger zwischen Rock, Blues und Jazz zeigten, festigte Jack Bruce seinen Ruf als ernstzunehmender Künstler. Seine post-Cream-Veröffentlichungen waren allerdings stilistische Achterbahnfahrten, die qualitativ uneinheitlich ausfielen. Privat und musikalisch wurde er in den letzten 10 Jahren von extremen Höhen und Tiefen begleitet. So überstand er eine Krebserkrankung und konnte im Jahr 2005 einige gefeierte Cream-Reunion-Konzerte erleben.

Für seine neuesten Einspielungen unter eigenem Namen hat sich Jack Bruce als Verstärkung auch einige alte Haudegen ins legendäre Abbey Road Studio in London eingeladen. Unter seinen handverlesenen Gästen sind alleine sieben Gitarristen. Dazu gehören unter anderem Phil Manzanera (ex-Roxy Music) und der Jimi Hendrix-Nacheiferer Robin Trower, der früher bei Procol Harum gespielt hat. Mit ihm nahm Jack bereits in den Jahren 2008 und 2009 die „Seven Moons“-Studio- und Live-Alben auf. Auch dabei sind Bernie Marsden, hauptsächlich bekannt durch seine Arbeit bei der Heavy Metal-Band Whitesnake sowie Uli Jon Roth, ehemals Gitarrist der Scorpions. Vervollständigt wird die Riege noch durch vier Schlagzeuger und Percussion-Künstler wie Cindy Blackmon Santana, der Frau von Carlos Santana. Außerdem standen noch der Jazz-Keyboarder John Medeski von Medeski, Martin & Wood sowie diverse Bläser und Sänger zur Verfügung. Jack Bruce, der hier als Bassist, Sänger und Keyboarder tätig wird, hatte beim Komponieren unter anderem Unterstützung von seinem alten Weggefährten Pete Brown, der auch etliche Cream-Songs mit gestaltet hatte.

Von diesem Potpourri an Erfahrungen und Strömungen konnte sich Mr. Bruce die jeweilig gewünschten Stimmungen und Klangbilder für seine Songs in unterschiedlichen Konstellationen aufbereiten lassen. Wobei das Album hauptsächlich in Moll gehalten ist. Gedeckte, graue Töne bestimmen weite Teile des Werks. Die Kompositionen „Don`t Look Now“ und besonders das nur von Piano und akustischer Gitarre begleitete „Industrial Child“ sind Musterbeispiele für todtraurige, tiefgreifende Balladen, die den Zuhörer frösteln lassen. Auch „Reach For The Night“ beginnt dramatisch, gewinnt aber im Verlauf an Stärke. Bei diesem verwunschenen Stück haben die Orgel und das Saxophon die Möglichkeit, sich solistisch auszuzeichnen.

Sehr gediegen ist „Hidden Cities“, das von choralartigen Gesangssätzen begleitet wird, wie man sie von der französischen Art-Rock-Band Magma um Christian Vander kennt. Das hört sich schon sehr bedeutungsschwanger, streng und vertrackt an. Auch „Drone“ sprengt den üblichen Rockmusik-Rahmen. Verzerrte, übersteuerte Bass-Spuren eröffnen und begleiten diesen stoischen, störrischen Rocker. Aufhorchen lässt auch der Opener „Candlelight“. Der Titel badet in karibisch anmutenden Rhythmen und wird dadurch relativ lässig präsentiert. Tempomäßig wird er jedoch nicht von der Leine gelassen, aber das Gitarrensolo von Phil Manzanera weckt ihn aus seiner Gemütlichkeit. Das erzeugt ein neckisches Miteinander von Coolness und Ernsthaftigkeit. Gebremste gute Laune gibt es auch beim heimlichen Hit der Kollektion, der „Fields Of Forever“ getauft wurde. Hier schnuppert man gemäßigte Power-Pop-Luft. Der Song weiß allerdings durch eine angenehm verschachtelte Melodie zu gefallen. Nicht nur die verwendeten Stakkato-Klavier-Einsätze erinnern an „Fine Line“ von Paul McCartneys „Chaos And Creation In The Backyard“.

Cream-Verehrer werden sich über die Blues-Rock-Stücke „Rusty Lady“ und „Keep It Down“ freuen, da sie den damaligen Sound aufleben lassen. Ein ähnliches Déjà-vu-Erlebnis hat man bei „No Surrender“. Hier ist ein typischer, konventioneller Hard-Rock-Titel zu hören, wie er in den 70er-Jahren von Bands wie Free oder Bad Company aufgenommen wurde.

Jack Bruce hat ein ehrenwertes Album abgeliefert, bei dem er alte Tugenden und neue Strömungen miteinander in Einklang bringt. Er profitiert von seiner großen Erfahrung und stolpert deshalb nur selten in die Falle, gängige, eingefahrene Muster zu verwenden.

Anspieltipps:

  • Candlelight
  • Fields Of Forever
  • Don’t Look Now
  • Industrial Child

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