Delain - The Human Contradiction - Cover
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Delain The Human Contradiction


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Delain kehren zu ihren Anfängen zurück und verschmelzen diese mit dem Pop-Anteil des letzten Werkes.

Nach ihrem Debüt-Kracher „Lucidity“ (09/2007), der mit einer ganzen Riege an hochkarätigen Gaststars auftrumpfen konnte (unter anderem Liv Kristine von Leaves Eyes oder Sharon den Adel von Within Temptation), waren Delain relativ schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt und verpflichteten auf den darauffolgenden Werken „April Rain“ (03/2009) und „We Are The Others“ (06/2012) gerade einmal Dauergast Marco Hietala (Nightwish, Tarot) oder Burton C. Bell (Fear Factory). Im gleichen Zuge ließ auch die Qualität der einzelnen Songs nach und die holländischen Symphonic Metal-Quereinsteiger näherten sich immer mehr der Masse an, anstatt aus dieser hervorzustechen.

Diesen Umstand will Ex-Within Temptation-Keyboarder und -Gründer Martijn Westerholt allerdings nicht mehr länger auf sich sitzen lassen und animiert seine Mitstreiter, allen voran die bezaubernde Charlotte Wessels, sowie Timo Somers (Gitarre), Otto Schimmelpenninck van der Oije (Bass) und Sander Zoer (Schlagzeug), auf dem vierten Werk „The Human Contradiction“ zu einem grandiosen Genre-Feuerwerk der Extraklasse, hinter dem sich alle anderen Bands in diesem Sektor verstecken müssen. Okay, ehrlich gesagt nur hinter dem Opener „Here come the vultures“, der wirklich brillant inszeniert und eingespielt ist. Der Rest hingegen fällt entweder in die Sparte „ausgezeichnet“ oder „austauschbar“.

Letzteres bezieht sich auf die ermüdende Tretmühle aus symphonischem Bombast, feengleichem Frauengesang und kurz aufblitzendem, härterem Gut, die in Songs wie „Army of dolls“ oder „Lullaby“ so dermaßen nichtssagend aus den Boxen plätschert, dass man nicht weiß, ob man weinen oder einfach nur einschlafen soll. Keine Ahnung wie Herr Westerholt es fertig gebracht hat, eine phänomenale Nummer wie „Here come the vultures“ zu schreiben, die Drama, Emotion und musikalisches Feingefühl besitzt, um dann das „Metal nach Zahlen“-Handbuch heraus zu kramen und den Eintrag zu Symphonic Metal stur abzuarbeiten.

Glücklicherweise bleiben das die einzigen Kopfschütteln hervorrufenden Aussetzer auf „The Human Contradiction“, denn obwohl „Your body is a battleground“ und „Tell me, mechanist“ ebenfalls mit gegensätzlichen Zutaten hantieren, die vordergründig nicht wirklich zusammenpassen wollen, ist ihnen zumindest ein gewisser Charme nicht abzusprechen. Dasselbe gilt auch für die obligatorische Singleauskoppelung „Stardust“, die auf maximalen kommerziellen Erfolg getrimmt ist, jedoch genug Charisma besitzt, um nicht von Anfang an auf die Eier zu gehen. Entzückend gestalten sich auch das härter einschlagende „My masquerade“ mit seiner fiesen, nicht mehr aus dem Kopf zu bringenden Hookline, die „Phantom der Oper“-Reminiszenz „Sing to me“, in der sich Charlotte mit Marco Hietala ein berauschendes Duett liefert, sowie der durchdachte Abschluss „The tragedy of the commons“, welches trotz seiner bezaubernden Stimmung kein Problem hat, eine grunzende Alissa White-Gluz (Arch Enemy, Ex-The Agonist) einzubinden.

Kleiner Tipp: Wer überlegt, sich „The Human Contradiction“ im Laden zu holen, sollte am besten zum limitierten Mediabook greifen, dem eine Bonus-CD mit zwei weiteren Tracks („Scarlet“ ist eine ruhige, minimalistisch gehaltene Ballade und „Don´t let go“ ein fetziger Keyboard-Rocker), fünf Live-Mitschnitten und den orchestralen Fassungen von „Sing to me“ und „Your body is a battleground“ beiliegt, die ihren Aufpreis von aktuell gerade einmal 2 € auf jeden Fall wert ist.

Anspieltipps:

  • Sing To Me
  • My Masquerade
  • Here Come The Vultures
  • The Tragedy Of The Commons

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