KLOGR - Black Snow - Cover
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KLOGR Black Snow


  • Label: Zeta Factory
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die über allem stehende Frage: Was würde Chino Moreno davon halten?

Mit Vergleichen ist das immer so eine Sache. Einerseits wird dem künstlerischen Schaffen einer Band nur unzureichend gerecht, wer sie aus dem Schatten etwaiger Vorbilder heraus betrachtet. Andererseits soll eine Rezension einen gewissen Mehrwert bieten und Genrefans eine Kaufempfehlung oder -warnung aussprechen. Daher sei es dem Redakteur an dieser Stelle verziehen, aber: Klogr müssen sich jetzt mit den Genrekönigen Deftones und System of a Down messen. Zu ähnlich kommen die Songstrukturen dieser Alternative-Metal-Bands daher.

Klogr kommen, und wie viele vergleichbare Formierungen können das schon von sich behaupten, aus Italien. Der Fünfer um Gabriele Rustichelli zählt zu den ambitioniertesten Genrevertretern des Landes und legt mit „Black Snow“ nun sein zweites Album vor. Schon „Zero Tolerance“ bringt den musikalischen Grundgedanken der Band auf den Punkt. Harte und bisweilen brachiale Gitarren- und Basspassagen, ein zwischen Singen und Schreien hin- und hergerissener Rustichelli, ein vergleichsweise dazu melodischer Chorus, der die Härte abfedert. Hat schon bei System of a Down funktioniert, tut es auch hier. Ordentlicher Einstieg.

Warum eingangs der Vergleich mit den Deftones angedroht wurde, zeigt sich spätestens ab Track zwei. „Refuge“ hätte stilistisch und strukturell ohne Weiteres auch auf „Koi No Yokan“ seinen Platz gefunden. Die Krux: Die intensive Atmosphäre, die emotionale Tiefe der Deftones, geht Klogr nahezu vollkommen ab. Ein wesentlicher Grund hierfür mag sein, dass Sänger Rustichelli zu keinem Zeitpunkt an den großartigen Chino Moreno heranreicht.

Dieser Eindruck zieht sich wie ein roter Faden durch die Platte. Schlecht ist das freilich alles nicht, Fans des Genres bekommen soliden Alternative Rock geboten, die Bezeichnung Metal verdient sich „Black Snow“ nur außerordentlich selten, da die kompromisslose Gitarrenaction aus dem Opener schon die Spitze des metallischen Eisbergs darstellt und die LP im weiteren Verlauf zahmer, fast brav, wird. „Draw Closer“ würde beispielsweise auch beim lokalen Poprockradio nur deshalb durchs Raster fallen, weil Rustichelli gegen Ende ein wenig zu sehr aus sich herausgeht. Musikalisch ist der Song sonst bestenfalls harmlos.

„Black Snow“ ist ein gutes Album. Punkt. Die Faszination, die andere Genrevertreter ausüben, indem sie tiefe Emotionen durch musikalische Brachialität ausdrücken, und sich dabei keinesfalls auf Gefühle wie Wut, Hass und Verdammnis beschränken, wie es besagte Deftones so meisterhaft beherrschen, geht den Italienern jedoch leider ab.

Anspieltipps:

  • Zero Tolerance
  • Heart Breathing

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