Exmortus - Slave To The Sword - Cover
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Exmortus Slave To The Sword


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
3.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Neo-klassischer Thrash Metal – das geht? Aber sicher! Das geht sogar sehr gut.

Es ist immer so leicht, sich vom Cover-Artwork leiten zu lassen, wenn es um Metal geht. Tatsächlich kann das auch täuschen, wie die vierköpfige Kapelle Exmortus aus dem US-Bundesstaat Kalifornien beweist. Conan der Barbar und seine munteren Kollegen tragen zwar lustige Fellunterbuxen, hauen sich gegenseitig den Schädel ein (das Album selbst heißt zudem „Slave To The Sword“), doch wer erst einmal den Silberling in die Anlage verfrachtet, wird schnell eines Besseren belehrt. Von True Metal fehlt hier jede Spur. Stattdessen hauen uns Exmortus ihre eigene Interpretation von Thrash Metal um die Ohren. Und dieser Mix ist mit allen Wassern gewaschen.

Die Verbindung von Bay-Area-Thrash, NWoBHM und US-Power Metal ist nämlich ein wahres Gewitter und alleine schon sehr viel interessanter als der Shit, den jede zweite Thrash-Kapelle aus dem Hut zaubert. Härte und Melodie schließen sich keinesfalls aus. Bereits der Opener „Rising“ verführt mit waghalsig-virtuosem Gitarrenspiel, welches über die gesamte Albumlänge das größte Ass im Ärmel von Exmortus ist und frappierend an das der Children Of Bodom erinnert. Immer wieder bewegt sich die Band gerade in dieser Hinsicht auf gewaltig dünnem Eis: Bevor es in Richtung Shred und sogar Neoclassical Metal geht, kriegt die Band rechtzeitig die Kurve und vermeidet es, allzu verkopft oder technisch daherzukommen. Dadurch hält das komplette Album „Slave To The Sword“ die Waage, ist bis auf wenige Ausnahmen fetzig, wieselflink, außerordentlich aggressiv und extrem melodisch, ohne dies aus einem Selbstzweck heraus zu sein. Die Arbeit an den Instrumenten wirkt belebend und spannend, laugt nicht aus und koexistiert mit der für den Thrash Metal gewünschten Moshpit-Kompatibilität. Gerade die Komposition „Battle-Born“, das titelgebende Groove-Monster „Slave To The Sword“ und besonders „Warrior Of The Night“ sind absoluter musikalischer Wahnsinn.

Lediglich „Immortality Made Flesh“ treibt es dann doch etwas zu weit. Dieser Song ist ein kleiner Ausrutscher, der glücklicherweise für sich alleine steht. Die Virtuosität mutiert zu einem schwer zu erfassenden Chaos, welches bezüglich des musikalischen Konzepts leider ein wenig über das Ziel hinaus schießt. Besser ist es schon, wenn es zünftiger zur Sache geht. Tobenden Thrash Metal kriegt der Hörer schließlich mit „Foe Hammer“, „From The Abyss“ und „Ancient Violence“ geboten. Exmortus geben sich durchaus traditionell und beweisen, dass sie auch reduzierter ihren Job gut machen können. Komplett anders hingegen ist die metallische Umsetzung von Beethovens Mondscheinsonate (Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 in cis-Moll), welche in ihrer Form hervorragend zu den Eigenkompositionen passt. Es ist sicherlich kein Novum mehr, Metal mit Klassik zu verbinden, doch hebt sich Exmortus' „Moonlight Sonata (Act III)“ schon alleine dadurch ab, dass hier kompromisslos und hammerhart adaptiert wurde. Dem alten Ludwig van hätte das gefallen.

„Slave To The Sword“ ist insgesamt eine Überraschung, mit der so ziemlich niemand gerechnet hätte. Bereits das Debütalbum „In Hatred's Flame“ (2008) deutete das Potential der US-Amerikaner an und nachdem „Beyond The Fall Of Time“ (2011) leider ein wenig zu viel des Guten war, erscheint ihr dritter Longplayer als lang erarbeitete Festigung des eigenen Stils. Thrash-Freunden sei das Teil an dieser Stelle genau so ans Herz gelegt wie auch Metalern, die auf filigran ausgearbeitete, melodische Kompositionen stehen. Exmortus können es so gleich mehrere Gruppen mehr als Recht machen und glänzen mit einem tollen dritten Album, das großen Spaß macht, eigenständig ist und mit enormem spielerischen Talent aufwarten kann. Stark!

Anspieltipps:

  • Rising
  • Slave To The Sword
  • Warrior Of The Night
  • From The Abyss
  • Moonlight Sonata (Act III)

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