Tycho - Awake - Cover
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Tycho Awake


  • Label: Ghostly International
  • Laufzeit: 36 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein unrühmlicher Rückschritt in Richtung Einfachheit.

ISO50, so nennt sich Scott Hansen, wenn er als Designer und Fotograf unterwegs ist. Der Name, der in der Fotografie als Angabe für die Lichtempfindlichkeit eines Films verstanden wird, könnte auch als Synonym für die Musik seines zweiten künstlerischen Projektes stehen. Als Tycho macht Hansen Musik, die zweifellos als Chillwave oder Ambient zu bezeichnen ist. Die Welten, die er mit seiner Musik zeichnet, gleichen sich alle in einer Eigenschaft: Sie sind lichtdurchflutet.

Mit dieser typischen Charakteristik möchte Hansen offensichtlich auch nicht brechen. Dennoch distanziert er sich auf „Awake“ merklich von den stilistischen Vergleichen, die spätestens seit „Dive“ immer wieder zwischen ihm und Boards Of Canada gezogen werden. Sich der Individualität halber weiter von gewissen musikalischen Merkmalen zu verabschieden, ist ein Vorhaben, das bei Hansen aber eindeutig nach hinten los gegangen ist.

Mit „Awake“ legt Tycho seinen Schwerpunkt eben noch stärker auf die poppige Attraktivität, die ihn noch tiefer im Chillwave-Genre verankert. Der weiterhin exzessiven Nutzung von flächigen Synthies zum Trotz ist nun der einzige Song, der klare Parallelen zu BoC aufweist, „L“. IDM-ähnliche Beatstrukturen und körnige, diesige Sphären sind auf Tychos drittem Album eben kaum noch vorzufinden. Dominant sind eher eingängige, fast schon poppige Melodien und schnellere Rhythmen, wie sie besonders im Opener und in „Montana“ ausgelebt werden.

So scheint es leider, als ob dieser Longplayer als musikalischer Rückschritt Tychos bezeichnet werden muss. Abgesehen von übersimplen Melodien, hat Hansen scheinbar auch einen Hang zu 08/15-Schlagzeug-Abfolgen entwickelt. Immerhin, „See“ kann mit Rhythmuswechseln punkten und „Apogee“ ist tatsächlich Drum-lastig und gleichzeitig interessant. Da die beiden Tracks sonst aber ansonsten eher wenig zu bieten haben, machen die den Braten auch nicht fett.

Eine größere Chance haben da wohl „Dye“, das schnelle Rhythmen mit Tychos typischen Synthiemelodien verknüpft, ohne allzu sehr an „Dive“ zu erinnern oder allzu simpel zu klingen, und „Spectre“, das mit schönen Gitarrenriffs abseits dieser Synthiemelodien überzeugt. Letztlich kommt man aber selbst wohlwollend nur auf drei Tracks, die auf dem Album halbwegs Spaß machen. Und um ehrlich zu sein, sind auch jene nicht sonderlich herausragend und sind wie das ganze Album dazu verdammt, in Vergessenheit zu geraten. Vielleicht ganz gut so.

Anspieltipps:

  • Dye
  • Spectre
  • Plains

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