Bill Callahan - Have Fun With God - Cover
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Bill Callahan Have Fun With God


  • Label: Drag City/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das im letzten Jahr vorgelegte „Dream River“-Meisterwerk wurde mit Dub-Effekten überarbeitet.

Etwa ein halbes Jahr nach Veröffentlichung seines Meisterwerks „Dream River“ gibt es jetzt mit „Have Fun With God“ eine überarbeite Dub-Fassung dieser Aufnahmen von Bill Callahan. Dub ist eine im Jamaika der 60er-Jahre entstandene, durch King Tubby begründete Produktionsform, bei der Roots-Reggae-Songs nachträglich durch Echo- und Hall-Effekte bearbeitet wurden. Häufig sind dabei auch Instrumentalspuren reduziert, aus- und eingeblendet oder neu abgemischt worden. Passagen wurden gedehnt oder gestreckt sowie Gesangsspuren verändert oder gleich ganz weg gelassen. Der dadurch entstandene, häufig spacig aufgemotzte, oft basslastige Sound führte zu einer völlig anderen Wahrnehmung der Ursprungsvorlage.

Für Bill Callahan ist dieses Experiment eine spirituelle Reise, wobei durch an- und abschwellende Klangwellen Endlichkeit und Unendlichkeit parallel symbolisiert werden. Die erzeugten Töne können laut seiner Vorstellung sowohl in der Erde verwurzelt sein, wie auch in den Weltraum streben. Aber was kann der Hörer von den neuen Versionen erwarten? Fügen sie den Originalen unerwartete, erhellende Aspekte hinzu und führen letztlich zu einem Mehrwert? Die Antwort ist ja und nein gleichermaßen.

Die liebgewonnenen Songs von „Dream River“ erscheinen in der Tat radikal verändert. Allerdings tut diese Veränderung nicht immer gut. Die Urfassungen sind sowieso schon karg arrangiert und instrumental auf das Nötigste beschränkt. Durch die weitere Reduktion und die Soundspielereien leidet jetzt manchmal das flüssige Durchhören. Die Kompositionen werden dann brüchig und wirken magersüchtig.

Dadurch verliert z.B. der „Thank Dub“ seinen Zusammenhalt, denn die bekannte, prägende Geigentonspur wird hier minimiert. Die Strukturen und Konturen bröckeln außerdem noch durch zusätzliche Entschleunigung. So büßt der „Expanding Dub“ die in der Originalfassung vorhandene leichte, blumige Note total ein. Der Track wirkt dadurch eher asynchron, spröde und zäh. So ergeht es auch dem „Small Dub“, der innerlich auseinanderfällt und den roten Faden verliert. Er wurde quasi bis aufs Skelett zerlegt.

Beim „Call It Dub“ und „Transforming Dub“ geht die Rechnung der Entmaterialisierung der Noten dagegen auf. Die sphärischen, logischen Tonfolgen, die zu einer Auflösung der Ursprungsform führen, sind hier nachvollziehbar. Im Abschlusstrack „Highs In The Mid 40s Dub“ wird die Zeit gedehnt. Dadurch entsteht ein anregendes, abstraktes Zerrbild der Vorlage.

Die Dub-Versionen taumeln quasi zwischen Atmos- und Stratosphäre hin und her, wobei die Bodenhaftung dabei oft verlorengeht. Man muss nüchtern festhalten: „Have Fun With God“ ergänzt den Blick auf „Dream River“, bereichert ihn aber zu selten. Die Dub-Aufnahmen sind also keine Fortsetzung von „Dream River“, sondern ein Experiment, dessen Rechnung nicht vollständig aufgeht. Impulse, die den Grundlagen eine unerwartete Wendung geben, gibt es genug. Aber einen Mehrwert hinsichtlich eines interessanten, substanzreichen Verlaufs bedeutet das nicht zwangsläufig.

Anspieltipps:

  • Call It Dub
  • Transforming Dub
  • Highs In The Mid 40s Dub

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