Messenger - Illusory Blues - Cover
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Messenger Illusory Blues


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ästhetisch, vielschichtig und voller Wärme.

Messenger wurden im Jahre 2012 von Khaled Lowe und Barnaby Maddick (beide Gitarre und Gesang) gegründet - Jaime Gomez Arellano (Schlagzeug), Daniel Knight (Keyboard, Gitarre) und James Leach (Bass) machen das Line-up komplett. Die beiden genannten Gründer allerdings - und hier wird es spannend - kommen musikalisch aus dem Hardcore Punk, dem Black Metal und dem Ambient. Hört man ihr Debütalbum „Illusory Blues“, dürfte man im Bezug auf die musikalischen Wurzeln der Bandgründer seinen Ohren nicht trauen. Das mit dem Ambient kommt ja irgendwie hin und besonders seit einem Album wie „Shelter“ (2014) von Alcest weiß man auch, was passiert, wenn Black Metaler mehr und mehr ihrem natürlichen Lebensraum entkommen und eine 180-Grad-Wende machen. Aber Hardcore Punk? Nichts läge bezüglich Messenger ferner. Aber Messenger sind da. Sie klingen komplett anders, als es sich in der Vita ihrer Gründer liest und alleine das ist die erste von vielen Überraschungen, welche die Gruppe aus London bietet.

Unaufgeregt, aber nicht ohne Höhepunkte: „Illusory Blues“ setzt auf Atmosphäre, Songwriting und Komplexität. Irgendwo zwischen Cryptex, Glittertind oder folkigen Retro-Prog von Ritual, versuchen sich die drei Messengers gefühlt einzureihen und verzaubern den Hörer mit melodieseligen Träumereien. Die Violine oder die akustische Gitarre nehmen nicht selten die absolute Dominanz an sich und bestimmen das Klangbild der Briten maßgeblich - jedenfalls so lange, bis sie wohlplatzierte experimentelle Versuche wagen, die zur Abwechslung mal nicht aus dem Hörfluss herausreißen.

Ist „Illusory Blues“ nun Folk, ist es Prog, ist es moderner Psychedelic Rock? Nun, die Antwort fällt schwer, da die sieben Kompositionen allesamt unterschiedlich sind. Während „The Perpetual Glow Of A Setting Sun” zum Beispiel gegen Ende seiner Lethargie entkommt, harte Gitarren einsetzen und dunkle Gewitterwolken aus surrenden Synthies und erhabenen Orchesterpassagen aufziehen, sind die vorhergegangenen zwei Tracks die nachträglich erlebte Ruhe vor dem Sturm. „Piscean Tide“ starrt gedankenverloren auf die Schuhe, „Dear Departure“ dagegen gibt sich recht modern, aber auch reduziert - The Pineapple Thief hinterlassen sphärische Grüße. Die mystische Stimmung brechen Messenger zumindest teilweise mit „Let The Light In“ und „Somniloquist“, wo sie klassischen Prog mit skandinavischem der 90er-Jahre verbinden. Besonders im zweiten erinnern sowohl das Gitarrenspiel als auch die herbstliche Stimmung an die Opeth zu Zeiten von „Damnation“ (2003) oder aber auch „Heritage“ (2011), bevor das Schlusslicht „Let The Light In“ mit hypnotischem Flötenspiel in eine liebliche Akustikballade einleitet, die sich gegen Ende zu einem schrammeligen Psychedelic-Rocker mausert. Das Herz des Albums ist dann das fast neunminütige „Midnight“, welches Messenger vielseitig und trotz der Komplexität ziemlich vergnüglich präsentieren. Treibende Beats treffen auf elektronische Effekte, ein wilder und schroffer Ausbruch der Gitarren ist die erneute Annäherung an skandinavischen Prog (hier: Anekdoten) bis die Komposition schließlich zwischen gemächlichem Folk und düster brodelndem, modernem Prog hin- und her pendelt.

„Illusory Blues“ ist ein Album ohne Schwächen, Leerlauf und so clever geschrieben, dass selbst Kenner diverser Prog-Subgenres gut und gerne am Ball bleiben. Denn auch wenn Messengers Musik sich immer wieder an der Vorarbeit verschiedener Genregrößen orientiert, kocht die Band am Ende doch ihr eigenes Süppchen und ist überraschend eigenständig. Das enorme Gespür für Melodien sowie das intelligente Unterbringen atmosphärischer und auch sehr oft kontemplativer Parts spricht klar dafür, dass die Londoner die schwierige Aufgabe gemeistert haben, sich in ihrer musikalischen Sparte behaupten zu können. Freunde von Art-, Folk- und Progressive-Rock, aber auch die von verträumtem, unkitschigem Shoegaze, dürfen „Illusory Blues“ unter keinen Umständen verpassen und sollten einen absoluten Geheimtipp des Jahres 2014 entdecken. Von dieser Band haben wir hoffentlich nicht das letzte Mal gehört!

Anspieltipps:

  • Piscean Tide
  • Dear Departure
  • The Perpetual Glow Of A Setting Sun
  • Midnight
  • Somniloquist

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