Sabbath Assembly - Quaternity - Cover
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Sabbath Assembly Quaternity


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Okkulter Folk, Lobpreisungen, Gebete: Dieses außergewöhnliche Experiment trennt die Spreu vom Weizen.

Sabbath Assembly, die bereits mit „Ye Are Gods“ (2012) für Verwirrung sorgten, kehren mit ihrem Zweitwerk zurück und denken gar nicht erst daran, etwas an ihrer Ausrichtung zu ändern. Weiterhin scheint es so, als seien die ganze Band und ihre Idee ein einziges großes Experiment, welches die Musik gar nicht mal im Zentrum stehen lassen will. Aus diesem Grund werden sich ein weiteres Mal die Geister an diesem Machwerk scheiden. Wer weder Interesse an experimenteller Musik, noch an okkulten Themen mitbringt, wird sehr schnell kapitulieren.

Abgesehen von der Musik lebt „Quaternity“ hauptsächlich von der Geschichte hinter dieser. Die einzelnen Kompositionen sind beinahe wie Predigten konzipiert und lassen zu keiner Zeit das Konzept dahinter vergessen. Das Werk basiert auf der Process Church of the Final Judgement, einer Sekte, die in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestand und versuchte, Jesus Christus und Satan in Einklang zu bringen. Schon bald entwickelte sich die Bewegung zu einer Splittergruppe der Church of Scientology und eine nachgesagte philosophische Nähe zu dem Glauben der Manson Family gibt dem musikalisch verarbeiteten Konzept der Glaubensansätze ohne Frage eine gewisse Brisanz. In der dargebotenen Form erscheinen die sechs Kompositionen von „Quaternity“ dann als F-Musik - eigentlich ein obsoleter Begriff, wenn auch einer, der passend erscheinen mag.

Denn die hauptsächlich sehr ruhig gehaltenen und eher intim anmutenden Songs könnten problemlos unplugged vor einem Altar im Rahmen einer Messe gespielt werden. Das Zielpublikum Sabbath Assemblys wird zwar weniger aus Gemeindemitgliedern der Process Church, sondern vielmehr aus (sehr offenen) Metalern bestehen, dass diese dann Teil des Gottes-/Teufelsdienstes der Band werden, wird sich jedoch als unvermeidlich herausstellen und sicherlich für das eine oder andere überraschte Gesicht sorgen. Denn „Quaternity“ ist außerordentlich krude, schwer erfassbar und selbst in seinen federleichten Momenten tonnenschwer. Bevor „I, Satan“ mit experimenteller Härte spielt und schrammelige Gitarren als Kontrast zum predigenden Gesang der Frontfrau Jamie Myers einsetzt, beherrschen die sehr zurückgezogenen, mitunter folkigen oder gar akustischen Songs „Let Us Who Mystically Represent...“, „The Burning Cross Of Christ” und „Jehovah On Death” das klangliche Erscheinungsbild der Band. Das folgende „Lucifer“ macht es ähnlich: Mantrischer Gesang trifft auf einen sakralen Chor im Hintergrund, leichte Elemente des Dreampops und des Neo-Folks sind nur kleine Steine im definitiv eigenständigen Mosaik des Sabbath Assembly'schen Sounds.

Und wer bis zum großen Finale und Höhepunkt in Form von „The Four Horsemen“ nicht erfassen konnte, was die Band von ihm will, der wird es wahrscheinlich nie verstehen. Das ist keine Schande, denn in einem Genre, welches Special-Interest-Produkte ohne Ende anbietet, gehört „Quaternity“ sicher zu den unorthodoxesten Alben der letzten Jahre. Das erwähnte „The Four Horsemen“ treibt es auf die Spitze. Der Longtrack mit einer Spiellänge von 18 Minuten ist mehr als jeder andere Song ein auf Platte gebrannter Gottesdienst - dezente Streicher, ein hypnotischer, lobpreisender Gesang, Spoken Words und Gebete (!) inklusive. Und das macht „Quaternity“ ziemlich einzigartig, im Rahmen ihres Herkunfts-Genres innovativ, aber ebenso schwierig und fordernd. Wer auf einen dunklen und gleichermaßen fast schon beschwingten, experimentellen Folk steht, das totale Herunterschrauben von metallischen Arrangements nachvollziehen und akzeptieren kann und im Idealfall Interesse an der Hintergrundgeschichte des Konzepts mitbringt, sollte sich vorsichtig an „Quaternity“ herantasten. Denn während so manch einer das Album als einen faszinierenden Geniestreich sehen wird, werden andere Hörer nur verdutzt mit den Achseln zucken.

Anspieltipps:

  • The Burning Cross Of Christ
  • I, Satan
  • Lucifer
  • The Four Horsemen

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