Gotthard - Bang! - Cover
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Gotthard Bang!


  • Label: G Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 63 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Gotthard besinnen sich in erster Linie einfach nur darauf, Musik auf die Beine zu bringen, und stellen die hohen Ansprüche zumeist hinten an.

Was hat die Presse sich 2012 bis zur Ermüdung phrasiert, um das erste Album nach Sänger Steve Lees Ableben als Phoenix aus der Asche betiteln zu können. Dass der Vergleich eher aufgrund des letzten Albumtitels „Firebirth“ und nicht Lees wegen passte, wurde geflissentlich ignoriert. Die Band wurde plötzlich für lange nicht mehr gehörte Großtaten gefeiert, die letztlich auch dem verpassten Image geschuldet waren. Dabei tat die sie nur, was sie schon unter dem alten Sänger getan hatte. Konventionell gehaltener Hard Rock traf so oft auf pompöse oder leichte Pop-Strukturen, bis die Grenze zum Classic Rock kaum mehr zu erkennen war.

Möchte man den Grundlagen Gotthards emotional etwas distanzierter zu Leibe rücken, dann offenbart sich das Album als Rock-Quartett. Meistens wird die Aerosmith-Karte ausgespielt und je nach Härte variiert, aber Kenner entdecken auch andere große Vertreter der letzten Jahrzehnte, wenn Schmachtfetzen wie das elendig überlange „Thank You“ oder „Fell What I Feel“ und „C'Est La Vie“ ertönen. Gleiches gilt auch für die Standardware in Form des Titeltracks.

Glücklicherweise bekommen die Schweizer Mannen in ihre Stücke zwischendurch zumindest genügend Dynamik, um ihrer sehr einfach gehaltenen und konventionellen Musik die nötige Würze zu verpassen. Das klappt besonders für jene, die so richtig schön stereotypischen Hard Rock mit ausgiebigen Soli und lauten Riffs verlangen. Leider gehen diese gelungenen Stücke neben Godzilla-Gedächtnismelodien in „I Won't Look Down“ oder triefendem Pathos in „Spread Your Wings“ bösartig über. Im besten Fall betitelt man solche Musik vielleicht als campy, doch mit hochklassiger Unterhaltung haben diese Ergebnisse nur selten etwas gemein.

Als kurzweiliger Rock-Happen für zwischendurch funktioniert zwar auch der weniger geglückte Teil des Albums und es gibt keine Gründe, sich als Hard-Rock-Fan die Ohren zuzuhalten. „Bang!“ ist dem simplen Titel entsprechend kein anspruchsvolles Werk und die Band scheint einfach nur austesten zu wollen, ob sie ihren grundlegenden Groove noch hat. Falls man dieses Album als Fragebogen bezüglich dieses Selbstzweifels bewertet, dann sollte schleunigst an vernünftigen Balladen gewerkelt werden, ohne dass dabei zu viele der vermeintlichen Rocker in routinierter Normalität ertrinken.

Anspieltipps:

  • Get Up'N'Move On
  • Jump The Gun
  • Red On A Sleeve

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