Elvis Presley - Elvis As Recorded Live On Stage In Memphis - Cover
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Elvis Presley Elvis As Recorded Live On Stage In Memphis


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 143 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
9.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der späte Elvis auf der Bühne in der Stadt, in der seine Karriere begann.

Die Siebzigerjahre mit hunderten von Konzerten auf der Show-Bühne in Las Vegas hatten Elvis zu einem abgeklärten, routinierten Entertainer mutieren lassen. Von seiner einstigen rebellischen Haltung und dem musikalischen Aufbegehren war kaum noch etwas übrig geblieben. Das Widerspenstige war ihm schon längst durch die Armee und das rigoros auf Kommerz ausgerichtete Management von Colonel Parker ausgetrieben worden. Aus diesem Grund hatte er auch sein ursprüngliches, jugendliches Publikum weitgehend verloren. Er war aber zu einer ikonenhaften Institution, zu einem Markenbegriff mit unantastbarem Status und zu einer überlebensgroßen Identifikationsfigur aufgestiegen. Aber die Liebe zur Musik, die hatte er sich bewahrt, die trieb ihn an - und das spürt man auch bei den hier dokumentierten Auftritten.

Das vorliegende Konzert aus dem Midsouth Coliseum in Memphis, Tennessee, wurde schon im Jahre 1974 als LP veröffentlicht. Damals trat eine gewisse Übersättigung ein, da dies die fünfte Live-Aufnahme von Elvis seit 1969 war, die auf Vinyl gebannt wurde. Heute zeigt sich das Gastspiel als sinnvolle Bereicherung in der Elvis-Diskografie, da die Einspielung vom 20. März 1974 klangtechnisch überarbeitet und mit 10 Bonus-Tracks wertig runderneuert wurde. Als Zugabe gibt es ein weiteres bislang unveröffentlichtes Konzert, das zwei Tage zuvor in Richmond aufgezeichnet wurde. Es war als Auftakttest zur Tournee gebucht worden. Der Ablauf ist nahezu identisch mit dem Memphis-Mitschnitt, aber die Wiedergabe erfolgt nur in Mono und Elvis ist nicht ganz so konzentriert wie zwei Tage später. Für Fans ist das sicherlich trotzdem unverzichtbar, der Elvis-Gelegenheitshörer braucht den zusätzlichen Auftritt jedoch nicht unbedingt. Der eigentliche Höhepunkt des Bonus-Materials liegt in fünf Übungsraum-Mitschnitten aus den RCA-Studios. Sie zeigen sehr eindrucksvoll die Arbeitsweise eines entspannten, voll in der Musik aufgehenden Kings.

In Memphis war er 13 Jahre lang nicht mehr aufgetreten. Seine fünf Homecoming-Konzerte im Jahr 1974 verliefen entsprechend ekstatisch und triumphal. Die Fans lechzten seiner Bühnenpräsenz entgegen. Die Atmosphäre knisterte. Die Show begann mit einem überschäumenden „See See Rider“ und Elvis gab sich euphorisch, energiegeladen und emotional vielseitig. Sein Repertoire umfasste neben Rock`n`Roll- und Rhythm`n`Blues-Klassikern relativ viele Gospel beeinflusste Titel sowie bluesgetränkte Nummern, Country-Songs, schmachtende Pop-Melodien und markige Cover-Versionen mit Southern-Soul-Feeling.

Mögen einem die trällernden, jubilierenden Chor-Tanten und der inbrünstige Gesang manchmal seltsam übertrieben vorkommen, so ist dies jedoch ein Stilmittel, das das tief religiös verwurzelte Lebensgefühl der Südstaaten adäquat widerspiegelt. Dieses Ausdrucksmittel wird von Elvis traditionsbewusst und publikumswirksam verwendet und überzeugend eingebaut. Seine bestens eingespielte Big Band folgt ihm bei all seinen gesanglichen Eskapaden, ist aufmerksam und dynamisch. Sie hat mit den Sweet Inspirations eine routinierte, auf Elvis abgestimmte Gesangstruppe in ihren Reihen. Außerdem sorgt J. D. Sumner für die beeindruckend tief gesungenen Noten und Kathy Westmoreland erklimmt stimmlich mühelos die höchsten Höhen. Die stramme Bläser-Abteilung überzeugt genauso wie Luxusgitarrist James Burton, der treibende Schlagzeuger Ron Tutt und der geschmeidige Pianist Glen D. Hardin.

Drei Jahre vor seinem Tod zeigt sich Elvis hier noch in bestechender Form. Er behauptet sich tapfer gegen den Elan seiner Band und spult das Repertoire professionell, aber mit der nötigen Hingabe ab. Gesangstechnisch ist er in sehr guter Form, von seiner späteren Kurzatmigkeit ist hier noch nichts zu hören. Als Interpret überzeugt er auf der ganzen Linie. Er prägt die Songs, die in den meisten Fällen Fremdmaterial sind, und macht sie durch seine unverwechselbare Individualität zu seinen Geschöpfen. Hierbei zeigen sich seine einmalige Ausdrucksweise und sein feinsinniges Gespür für Emotionen. Mit leichter Hand zieht er das Publikum auf seine Seite. So erlaubt er sich auch kleine Scherze, die dankbar angenommen werden. Seinen Begleitmusikern und Sanges-Kollegen lässt er gewisse Freiräume, um dann gezielt, stilsicher und souverän - manchmal nur durch wenige Töne - das Ruder wieder zu übernehmen. Dadurch strapaziert er seine Rolle als Chef im Ring nicht über, zeigt sich dann wie bei „Suspicious Minds“ als Meister der Reduktion, was ihm letztlich noch mehr Aufmerksamkeit verschafft. Fazit: Die vorliegenden Konzertmitschnitte bieten keine perfekten, sondern typische Elvis-Auftritte und können somit als Referenz für die Qualitäten des King in seiner Spätphase empfohlen werden.

Anspieltipps:

  • Steamroller Blues
  • Polk Salad Annie
  • Why Me Lord
  • Let Me Be There
  • My Baby Left Me

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