Emmure - Eternal Enemies - Cover
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Emmure Eternal Enemies


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Werft die Kopfschmerztabletten ein, das neue Emmure-Album ist da!

Wie sich das deftige und oftmals völlig sinnbefreit zusammengewürfelte Deathcore-Gepolter der Herrschaften Frankie Palmeri (Gesang), Jesse Ketive (Gitarre), Mike Mulholland (Gitarre), Mark Davis (Bass) und Mark Castillo (Schlagzeug) trotz ihrer unablässigen Veröffentlichungswut mit jedem weiteren Output an den amerikanischen Billboard Charts steigern konnte, bleibt selbst aufgeschlossenen Ohren seit der Veröffentlichung des Debüts „Goodbye To The Gallows“ (03/2007) ein Rätsel. Wenig bis kaum Weiterentwicklung bedeuteten für den Connecticut-Fünfer eine wachsende Fangemeinde und führten nun zum sechsten Album in sieben Jahren. Mit „Eternal Enemies“ wagen Emmure allerdings erstmal eine klitzekleine Kurskorrektur, die jedoch so gut versteckt ist, dass man mit einer Ausnahme diese beinahe mit der Lupe suchen muss.

Der Einstieg in das 2014er Werk fällt nichtsdestotrotz gewohnt bullig und nervtötend aus. Lautstarke Dissonanzen bersten aus den Boxen und sorgen in „(Untitled)“ für eine ganz und gar unwillkommene Begrüßung. Hat man diese sonische Verstümmelung aber erst einmal überwunden, heißt es erneut die herkömmlichen Emmure-Trademarks vorgesetzt zu bekommen, die Palmeri & Co. offensichtlich am iPad im Copy&Paste-Verfahren während einer längeren Klosession zusammengeschustert haben. Mit anderen Worten prügeln brachiale Breakdowns („Nemesis“, „Free publicity“), saftige Groove-Schleifen („Like LaMotta“, „Rat king“), direkt in die Fresse schlagende Doublebass-Argumente („N.I.A. (News in Arizona)“, „Girls don´t like boys girls like 40´s and blunts”, „New age rambler“) oder dicke Nu Metal infizierte Deathcore-Bretter („E“, „Most hated“) dem Hörer dermaßen gewaltig einen vor den Latz, das dieser bereits vor Ende des ersten Durchgangs benommen zu Boden geht.

Schuld daran ist jedoch keinesfalls die tieftönende Wucht, mit der Emmure die Gehörgänge malträtieren, sondern schlicht und ergreifend die unablässige Art und Weise, wie sie diese unaufhörliche Dicke Eier-Mentalität ausleben. Wenn z.B. nach drei Nonstop-Aggro-Tracks die Verschnaufpause nicht darin besteht, für zehn Sekunden eine sanft gezupfte Akustikgitarre zu hören, sondern von quietschenden und hochgepitchten Sounds vergewaltigt zu werden („The hang up“, „Hitomi´s Shinobi“), dann schlägt die simpel gestrickte Freude an fetten Grooves und einschlagenden Breakdowns schnell in Frust und Kopfschmerzen um. Dieser Umstand war auch schon auf den vorangegangenen Outputs des Deathcore-Fünfers vertreten, bekommt auf „Eternal Enemies“ aber nun zum ersten Mal dezente Umstrukturierungsmaßnahmen spendiert.

In „A gift a curse“ verirrt sich unter das vor Coolness triefende Riff-Doublebass-Gebräu ab und an sogar so etwas wie eine Melodie, „Grave markings“ leistet sich gar einen interessanten Schlagabtausch mit versöhnlichen Klängen und der Albumender „We were just kids“ vollführt mit seinen Postcore-Anleihen und dem wohl emotionalsten Emmure-Track überhaupt eine 180°-Wendung, die Hardcore-Fans und Kritiker gleichermaßen verzücken wird. „I want your heart, but I don´t deserve it“ schreit uns Frankie mehrmals entgegen. Nun gut, nach diesem unerwartet starken Abschluss können wir vielleicht noch einmal über eine zweite Chance als geduldete Deathcore-Hassliebe reden.

Anspieltipps:

  • Rat King
  • Grave Markings
  • We Were Just Kids
  • N.I.A.

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