Holy Moses - Redefined Mayhem - Cover
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Holy Moses Redefined Mayhem


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das elfte Gebot des heiligen Mose: Du sollst thrashen wie eh und je!

Dafür, dass sich das Fräulein Classen mit dem RTL2-Anti-Trademark schmückte, musste sie in den vergangenen Jahren vom einen oder anderen Fan ordentlich kassieren. Wer im Metal beheimatet ist, tut so was einfach nicht - schon gar nicht, seitdem das TV-Programm Untiefen erreicht hat, von denen man vor Jahrzehnten nicht zu träumen wagte und mit denen man eine Shouterin wie Sabina Classen nie assoziiert hätte. Aber egal wie viele Teenager in Not oder Messies sie rettet: Sabina Classen ist und bleibt eine der weiblichen Stimmen der internationalen Metal-Szene. Daran ist einfach nicht zu rütteln, das ist Fakt und bis das überschattet wird, muss zusätzlich noch einiges passieren. Sabina, dir sei verziehen. Wer tatsächlich wagt, dagegen etwas zu sagen, bekommt mit „Redefined Mayhem“ zum elften Mal in der Karriere der Aachener Thrash-Institution Holy Moses die gewohnt fiese Abreibung verpasst.

Was Holy Moses ein weiteres Mal auszeichnet, sind die beinahe schon zur Tradition gewordenen Flirts mit anderen Subgenres. Diesmal wird der Thrash Metal mehr denn je mit Elementen des Death- und Black-Metals gewürzt, während technische Elemente das Salz in der Suppe sind und Classens ekelerregenden Screams, Growls und Grunts regelrecht in die Karten spielen. Besonders in den schlichtweg abgefahrenen und knüppelharten „Triggered“, „Process Of Projection“, „Redemption Of The Shattered“ und „Delusion“ entstehen dadurch interessante Kontraste, welche die Aussage, dass es bei Holy Moses noch nie Standard-Thrash-Songs gegeben hätte, ohne Frage untermauern. Nach all dem Chaos schlägt dann ein schleppender Titan in Form von „Into The Dark“ oder „One Step Ahead Of Death“ Testament-like besonders ein. Wenn er losscheppert, werden sowohl Herz als auch Hirn bestens bedient.

Hier beweisen die Aachener ihre jahrelange Erfahrung und kombinieren kompromisslose Härte mit Songwriting, welches auch nach 34 Jahren Bandgeschichte (Pausen nicht eingerechnet) noch für die eine oder andere Überraschung sorgen kann. Der Spaß bleibt natürlich nicht auf der Strecke. Wer sich dann einfach nur die Birne wegballern will, bekommt die gewohnte Einladung in den Mosh-Pit. Das herrlich groovende „Undead Dogs“, das melodische „Fading Realities“ - Holy Moses wissen einfach, was sie wollen, was sie können und werden den Hörer in dieser Hinsicht nicht enttäuschen. Die angesprochene Aufnahme von Elementen des Black Metals wirkt dabei glücklicherweise ziemlich organisch und diese werden auf den Punkt gebracht, bevor die Band sich in ihnen verliert. Das gerade mal knapp eine Minute übersteigende Schlusslicht „This Dirt“ legt die Karten auf den Tisch und rumpelt wie die Hölle, braucht gar nicht mehr Zeit, um alles zu sagen, während ein „Whet The Knife“ beispielsweise immer wieder zwischen Death, Black und Thrash hin- und herpendelt und für Abwechslung sorgt.

Das haben Holy Moses drauf. Sie zeigen sich auch nach drei Jahrzehnten frisch, frech und fröhlich - alte Kutten und Tunnelohren sollten sich gleichermaßen von Classen und ihrer Veteranenbande angesprochen fühlen. Chaos, Härte und ein mehr als gelungenes Songwriting lassen Holy Moses in ihrer eigenen Liga spielen. Zugegeben: Sie hatten schon wichtigere, stilprägendere, legendärere Alben als „Redefined Mayhem“. Doch auch wenn es nicht mit einem „Finished With The Dogs“ (1987) oder „The New Machine Of Liechtenstein“ (1989) mithalten kann und für die Verhältnisse der Band irgendwo im gehobenen Mittelfeld mitläuft, zeigt sie so manchem Jungspund auch heute noch, wo der Hammer hängt.

Anspieltipps:

  • Triggered
  • Undead Dogs
  • Into The Dark
  • Redemption Of The Shattered
  • One Step Ahead Of Death

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