Paolo Nutini - Caustic Love - Cover
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Paolo Nutini Caustic Love


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Energetisch, dramatisch, berührend: Der Schotte mit der rauen Stimme ist mit seinem dritten Album zurück.

Paolo Nutini, der schottische Musiker mit dem italienischen Namen ist zurück und macht ganz einfach, was er will. Von Pop und Funk über R’n’B zu Blues, von rockigen Stücken zu sanften Balladen, packt Nutini alles ein, was er kennt, und haut raus, was er kann: zwölf Eigenkompositionen, getragen von der Stimme, die viel älter und viel weiser klingt, als es ein 27-Jähriger sein kann, und in die man sich praktisch verlieben muss, ob man will oder nicht.

Gewaltig, wuchtig, voluminös startet das Album mit „Scream (funk my life up)“ und ist damit ein passender Vorbote für (fast) alles, was danach kommt. Das Album steckt voller Tatendrang, der auch in den ruhigeren Stücken zum Vorschein kommt. „Better Man“ zum Beispiel, mit sanfter Gitarre und betörender Stimme, fängt sachte an, baut sich auf und entlädt sich in einem aufbrausenden, wehmütig-schönen Chor. Das Album gönnt dem Hörer keine Ruhe, es ist dramatisch, pathetisch, fast explosiv: „Iron Sky“ ist dafür das beste Beispiel. Eigentlich eine Ballade, in der plötzlich Charlie Chaplin mit Sätzen aus „The Great Dictator“ zu Wort kommt. Das bewegt, das rüttelt auf, und so ist es auch gemeint.

Das heißt nicht, dass Paolo Nutini seine südländische Lebensfreude oder seinen schottischen Humor verloren hätte. Zwischen den Zeilen und zwischen der inszenierten Dramatik kommt genau diese Stimmungslage hervor und sie ist ansteckend. Manchmal, im Falle des Zwischenspiels „Bus Talk“ zum Beispiel, aber auch in „Superfly“, unterbricht sie dann den Energiefluss und bringt ein bisschen gelassene Bodenständigkeit hinein, doch immer, ohne dabei elementar zu wirken. Denn normal oder gar primitiv ist auf diesem Album rein gar nichts. Die Kompositionen reichen vom satten Bluesstück „Let Me Down Easy“, über ekstatische Gitarrenkunst („Cherry Blossom“), hin zum R’n’B-Rhythmus mit Janelle Monáe in „Fashion“. Erst ganz am Ende, wenn Nutini mit „Someone Like You“ einen Abschluss findet, werden ruhigere Töne angeschlagen.

Es fühlt sich an, als hätte der Hörer eine Reise durch energiegetränkte, wilde Gefilde überstanden. Er ist fast erschöpft, aber vor allem hat Nutini eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten ausgeschöpft. Dabei hat er sein außerordentliches Talent zum Vorschein gebracht. Ein mitreißendes Werk, 52 Minuten, die Spaß machen.

Anspieltipps:

  • Scream
  • Better Man
  • Iron Sky
  • Cherry Blossom

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