The Baseballs - Game Day - Cover
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The Baseballs Game Day


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Überraschung auf dem neuen Album: Die Baseballs erfinden sich nicht neu, doch sie erfinden eigene Songs.

Die Baseballs sind Kult, darüber muss man gar nicht erst streiten. Mehrfache Platin-Auszeichnungen für vorangegangene Alben, hunderte Konzerte in Europa und verschiedene Awards, darunter auch der Echo, sprechen für sich. Mit ihrem Cover-Rock’n’Roll und einer ausgeklügelten Show, brachten die Berliner Jungs etwas in die Charts, das so bisher lange nicht mehr dagewesen war. Prompt ernteten sie dafür entsprechenden Erfolg. Doch da liegt im Prinzip auch schon das Problem: Neue Dinge funktionieren oftmals deshalb so gut, weil sie unverbraucht und spannend sind, neu eben. Spätestens ab dem dritten oder vierten Album aber müssen sich Künstler von diesem Bonus verabschieden und die scharfe Kurve zur Etablierung bewältigen.

Im Falle der Baseballs bedeutet das, ihre Shows weiter zu perfektionieren und ihrem Publikum live zu zeigen, warum sie noch immer geliebt werden sollten. Dazu gehören auch die Aufrechterhaltung des Taktgefühls und der stimmlichen Fähigkeiten, wobei das kein Problem darstellen sollte. Allen wichtigen Faktoren voran, können sich die Baseballs durch eine ganz bestimmte Sache abheben und empfehlen: ihre Songauswahl. Das hat auf dem Debütalbum Strike und dem Nachfolger Strings N Stripes bereits hervorragend geklappt. Ignoriert man die diversen Live-Alben und die Weihnachts-CD Good Ol Christmas, bei denen das Auswählen der Songs nicht besonders schwierig gewesen sein dürfte, ist dies nun Herausforderung Nummer drei für die Rock’N’Roller.

Dieser Herausforderungen scheinen sich Sam, Digger und Basti bewusst, denn mit der Songauswahl schaffen sie die Überraschung, die dieses Album sicherlich pushen wird. Zum ersten Mal besteht das Album zu einem nicht unerheblichen Teil aus Eigenkompositionen! Nun stellt sich natürlich die Frage, ob diese gelungen sind. Mit „Mo Hotta Mo Betta“ wurde den ESC-Zuschauern bereits ein Schmankerl serviert. Und gleich beim ersten Durchhören der CD fällt auf: Ja, auch die anderen Songs sind gelungen. Denn „#Flashback“ und „On my way“, um nur zwei Beispiele zu nennen, gehen sofort ins Ohr. Die Songs heben sich sogar von der Masse ab, vielleicht gerade, weil man sie noch nicht kennt. Das ist die beste Voraussetzung, um zwischen Rihannas „Diamonds“ oder Lana del Reys „Video Games“ aufzufallen.

Das soll nicht bedeuten, dass die Coverversionen weniger gelungen wären. Sie überzeugen mit der gewohnt eigenwilligen, sehr tanzbaren Interpretation der Originale, die deutlich aufgepeppt daherkommt. Doch die selbst geschriebenen Lieder beweisen: Die Baseballs können mehr als nachmachen, sie können auch vorgeben. Unkonventionelle Rhythmen nämlich, gepaart mit einer stimmlichen Leistung, von der sich viele Chartstürmer dieser Zeit eine Scheibe abschneiden könnten. Von ihrem Rock’n’Roll-Muster, das so sehr an die Zeiten von Elvis Presley und Co. erinnert, können sich die Wahlberliner auch auf diesem Album nicht lösen. Das wäre allerdings auch nicht wünschenswert, es ist schließlich ihr Markenzeichen.

An Ideen, dieses Muster auszubauen, fehlt es den Baseballs nicht. Auch die Zusammenstellung von eigenem Material und Hits aus den Charts ist gelungen. Eines der wenigen Mankos ist das Fehlen des einen Hits, der die Baseballs selbst wieder ganz an die Spitze bringt. „Umbrella“ hatte damals den Startschuss gegeben, „Chasing Cars“ (Snow Patrol) oder „Hot’n’Cold“ (Katy Perry) sein Übriges getan. Die ganz große Nummer ist dieses Mal aber leider nicht dabei.

Anspieltipps:

  • Mo Hotta Mo Betta
  • Royals
  • #Flashback
  • On My Way

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