Amoral - Fallen Leaves & Dead Sparrows - Cover
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Amoral Fallen Leaves & Dead Sparrows


  • Label: G-Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das ambivalente Gefühle hinterlässt.

Das muss man sich erst mal trauen: Vom melodischen Death Metal zum glasklaren Power Metal überzugehen, ist die eine Sache. Aber den Gewinner der finnischen Variante von DSDS als neuen Sänger zu engagieren - Respekt! Nun ist das Thema Metal in Finnland ja traditionell eine große Angelegenheit, weswegen der kommerzielle Totalausfall ausblieb. Neue Fans brauchten Amoral nach der Veröffentlichung von „Show Your Colors“ (2009) aber trotzdem. Mittlerweile sind schon einige Jahre und weitere Aufnahmen ins Land gegangen, was „Fallen Leaves & Dead Sparrows“ zum dritten Album nach dem Urknall macht. Mal schauen, was uns nun erwartet.

Zunächst nicht mehr als ein ziemlich dröger Opener, namentlich „On The Other Side Pt. 1“. Der Titel ist noch das Spannendste an der ganzen Nummer, zum einen aufgrund der Doppeldeutigkeit bezüglich der Bandgeschichte und zum anderen, weil sich Amoral der altbewährten Klammer bedienen - heißt doch der Rausschmeißer treffend „On The Other Side Pt. 2“. Mehr gibt es zu diesen Songs eigentlich nicht zu sagen, außer vielleicht noch, dass der Gesang von Ari Koivunen ziemlich süß klingt. Selten so eine liebliche Stimme im Metal-Bereich gehört! Fast zuckt man zusammen, wenn der junge Mann ab und zu mal schreit. „Classic Rock of the 21st Century“, so bezeichnen Amoral selbst ihren Stil. Na dann.

Doch nicht alles ist komisch auf „Fallen Leaves & Dead Sparrows“: „No Familiar Faces“ erscheint recht passabel, zumindest wirbeln die fünf Finnen hier etwas Staub auf. „Prolong A Stay“ geht auch in diese Richtung, wobei Amoral an dieser Stelle sogar mal einen Blastbeat springen lassen, gepaart mit hymnisch aufgepusteten Keyboard-Sounds. So richtig zünden will das Gemisch aber trotzdem nicht. Es wäre unfair, ausschließlich die Vocals von Ari Koivunen für die ambivalenten Gefühle verantwortlich zu machen, die das Album seiner Band hinterlässt, aber im Endeffekt bildet der Gesang hier tatsächlich den Knackpunkt. Wer sich mit dieser ungewöhnlich sanften Stimme anfreunden kann, wird vielleicht auch am Rest Gefallen finden. Denn der Grundgedanke ist nicht verkehrt: Amoral verbinden Power Metal, der immer mehr in Richtung Hardrock tendiert, mit ruhigem Gitarrenspiel, das gelegentlich an Led Zeppelin erinnert („Blueprints“) und plötzlichem Geballer („If Not Here, Where?“), das ihren eigenen Wurzeln immerhin in Ansätzen gerecht wird. Nur die Piano-Parts in „See This Through“ sind - bei aller Toleranz - einfach zu kitschig, hier hört der Spaß nun wirklich auf. Dann doch lieber dreimal das Instrumentalstück „The Storm Arrives“, das ironischerweise den besten Kompromiss für alte und neue Amoral-Fans darstellt: Der Song ist einigermaßen hart und ganz ohne Gesang.

Anspieltipps:

  • If Not Here, Where?
  • No Familiar Faces

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