Flip Grater - Pigalle - Cover
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Flip Grater Pigalle


  • Label: Make My Day Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Flip Grater zum Vierten: Ein Engel, der mit dem Teufel ringt.

Flip Grater heißt mit bürgerlichem Namen Clare Grater und legt nun ihr bereits viertes Album vor. Ihr Debüt „Cage For A Song“ erschien im Jahr 2006, dem zwei Jahre später „Be All And End All“ folgte. Hierzulande wurde sie jedoch erst mit „While I’m Awake I’m At War“ so richtig wahrgenommen. Außerdem trat die bekennende Vegetarierin mit dem Buch „The Cookbook Tour Europe“ in Erscheinung, das selbstredend mit kulinarischen Tipps ihrer Konzertaufenthaltsorte aufwartete.

Nun also „Pigalle“, das seinen Titel den Pigalle Studios in Frankreich verdankt, dem Aufnahmeort des Albums. Wer den Vorgänger gemocht hat, der kommt auch an ihrem vierten Longplayer nicht vorbei. Zunächst ist es wieder ihr zwischen Leslie Feist und Cat Power schwingendes Timbre, das einen aufhorchen lässt. Nach und nach schleichen dann die elf dunklen, dennoch variantenreichen Kompositionen unter die Schädeldecke oder treffen ins emotionale Zentrum namens Melancholia.

Bereits der Einstieg „The Quit“ ist ein atmosphärischer Ohrenschmaus mit den Vibrato-Gitarren, der dunkel malenden Viola, dem dahinschleichenden Rhythmus und Graters betörend-schöner Stimme. Danach begegnen wir das erste, aber nicht das letzte Mal dem Teufel. „Diggin‘ The Devil“ ist Rock Noir, wie wir ihn von Nick Cave kennen; danach funkelt „Exit Sign“ wie ein Kristall zwischen Portishead und Chrysta Bell. Einen schrägen Tango/Walzer à la Tom Waits gibt „Hide And Seek“ ab und „Hymns“ ist alles andere als hymnisch, vielmehr eine intime Songwriter-Folk-Ballade, die in „Justin Was A Junkie“ ihre Fortsetzung erfährt.

„The Safety Of The Lights“ und „The Smell Of Strangers“ sind zwei weitere mit Wehmut und Sehnsucht vorgetragene Songs, die einem ganz sachte Gänsehaut bereiten. Und zum Finale „To The Devil“ führt Flip Grater (mit Gastsänger Nicolas Ker von Poni Hoax) die Kunst des gemischtgeschlechtlichen Duetts vor und mahnt dabei an „Some Velvet Morning“ von Nancy Sinatra & Lee Hazlewood und an manche jener so dunkel wie hell leuchtenden Kleinode vom Duo Isobel Campbell & Mark Lanegan. Flip Graters viertes Album leuchtet wie ein verlorener Stern in der Dunkelheit. Der glimmende Hoffnungsstern eines Engels, der mit dem Teufel ringt.

Anspieltipps:

  • The Quit
  • Justin Was A Junkie
  • The Safety Of The Lights
  • To The Devil

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