Xandria - Sacrificium - Cover
Große Ansicht

Xandria Sacrificium


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 69 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Xandria zerbröseln mit ihrem sechsten Werk die Female-Fronted-Konkurrenz zu Staub.

Als Gothic-Metal-Truppe der Marke Paradise Lost und Tiamat 1994 gestartet, trennten sich Xandria ein paar Jahre später bereits wieder wegen musikalischer Differenzen. Erst die Reunion im Jahr 2000 und der Einstieg von Goldkehlchen Lisa Middelhauve katapultierten den Bielefelder Act ins kollektive Gedächtnis der Symphonic Metal-Fangemeinde. Ein veritabler Ersatz für die bombastischen Metal-Opern der Marke Nightwish und Within Temptation war geboren und mit dem Album „Ravenheart“ (05/2004) begann man außerdem, in nennenswerte Umsatzebenen aufzusteigen. Bislang von Kritikern eher argwöhnisch beäugt und ins künstlerische Mittelfeld des Genres eingeordnet, setzten Xandria mit ihrem fünften Werk „Neverworld´s End“ (02/2012) mit Neuzugang Manuela Kraller zum großen Sprung an und verblüfften die Presse mit elaboriertem Songwriting und unvergesslichen Melodien.

Etwas mehr als zwei Jahre später steht nun der Nachfolger in den Regalen und mit Dianne van Giersbergen (nicht zu verwechseln mit Anneke der Progressive Rock-Truppe The Gathering) eine neue Sopranistin hinter dem Mikro. Die Wandlungsfähigkeit einer Floor Jansen (Nightwish, After Forever, ReVamp) oder den Stimmumfang einer Tarja Turunen (Nightwish) vermisst man bei der klassisch ausgebildeten Sängerin zwar, wirklich ins Gewicht fällt das bei den bombastischen Kompositionen, die Xandria 2014 ins Rennen schickt, aber ohnehin nicht. Auf „Sacrificium“ dürfte nämlich der auf dem Cover abgebildete Phönix sinnbildlich für das musikalische Material Pate gestanden haben - anders lässt es sich nicht erklären, dass Dianne gemeinsam mit Marco Heubaum (Gitarre), Philip Restemeier (Gitarre), Steven Wussow (Bass) und Gerit Lamm (Schagzeug) lieber alles in Schutt und Asche legt, anstatt die Melodien auf den Hörer wirken zu lassen oder großflächig angelegte Verschnaufpausen einzubauen.

Dabei jagt der Fünfer schon mit der überlangen Eröffnungsnummer über sämtliche Geschwindigkeitshürden und formt aus sakral anmutenden Chören, schnellem Riffing und opernhaftem Sirenengesang bereits einen perfekt ausbalancierten Track epischen Ausmaßes, der die 10 ½ Minuten wie im Flug vergehen lässt, und geradezu nach ein paar ruhigeren oder zumindest weniger offensiveren Nummern im Anschluss schreit. Doch Xandria legen noch einen Zahn zu und erschlagen die sorgsame und in sich abgeschlossene Stimmung des Longtracks mit unbarmherziger Dauerbeschallung aus dem Symphonic Metal-Baukasten für ADHS-Patienten. Kein Stein bleibt auf dem anderen, keine Melodie oder Idee scheint länger als ein paar Sekunden zu erklingen. Damit ist in Songs wie „Nightfall“, „Stardust“, „Betrayer“, „Little red relish“ oder „Until the end“ zwar ständig was los, im Vergleich zu den gemächlicher angelegten Stücken, die auf die Vorzüge einzelner Instrumente wie Flöte („The undiscovered land“), Dudelsack („Temple of hate“) oder Streicher („Come with me“) setzen, haben diese lautstark um sich schlagenden Monster auf lange Sicht allerdings nicht den Hauch einer Chance.

Im eigentlich balladesken „Our neverworld“ geht die inflationäre Verwendung der Genrestandards sogar so weit, dass jedes Aufjaulen der Bläser einem Stich ins Herz gleich kommt und wenn das finale „Sweet atonement“, das ausschließlich von Piano und Streicher getragen wird, einen guten, aber keineswegs weltbewegenden Abschluss bildet, wünscht man sich, Xandria hätten mehr Augenmerk auf Qualität, denn auf Quantität gelegt, und die 70 Minuten von „Sacrificium“ um 20 gekürzt und dafür die bestehenden Kompositionen verfeinert. In vorliegender Form bekommen Fans der Truppe nämlich nicht mehr als einen halbgaren Aufguss von „Neverworld´s End“, der um ein paar ärgerliche Entscheidungen im Sounddesign erweitert wurde.

Anspieltipps:

  • Sacrificium
  • Come With Me
  • Temple Of Hate
  • The Undiscovered Land

Neue Kritiken im Genre „Gothic-Rock“
5/10

MTV Unplugged: Unter Dampf - Ohne Strom
  • 2015    
Diskutiere über „Xandria“
comments powered by Disqus