Tante Polly - Hitzefrei - Cover
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Tante Polly Hitzefrei


  • Label: Membran/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Portion Schwachsinn, aber auch richtig schöne Musik.

Wie wichtig ist sauberer Gesang? Wenn bei einem Fragebogen von Lesern jetzt Zahlen jenseits der 7 auf klaren Glockengesang bestehen, dann sollten diese Tante Polly gleich zur Seite legen. Wer jedoch auf einen Bar-Abend mit unterhaltsamer Live-Musik aus ist, die von Liebe, „Sankt Pauli Bei Nacht“ und „Hitzefrei“ handelt, der sollte näher hinhören. Tante Polly nehmen vieles nicht ernst und machen vor wenig Halt. Schlager, Retro-Pop und Kammermusik reichen sich die Hand, bis der Papst einen mitsamt Sommersegen und noch mehr Hitzefrei aus einer bekloppten Liedermacher-Achterbahn entlässt.

Mit Klarinetten und Co. beginnt das Album in Form von „Der Reisende“ bereits beschwingt, aber textlich auch irgendwie ernst. Überhaupt führt es mit den Pianoballaden „Kamerunkai“ und „Sieben Jahre“ weiter aufs Glatteis. Das ist tatsächlich emotional, und auch wenn die erzählende Stimme keinen Preis für den Gesang bekommt, klingen traurige Liebeslieder wie „Sieben Jahre“ authentisch. Mit diesem durchaus gelungenen Start bricht die Band dann allerdings eiskalt und setzt auf Prinzen-Humor und Pop-Attitüde in „Du Hast Studiert“ und „Du Bist So Schön Wenn Du Nackt Bist“. Bildungsgrad und Affären werden durch den Kakao gezogen und die Kammermusik setzt aus.

Zurückkehren tut die geliebte Klarinette leider nur noch wenige Male („Nirgendwohingehen“ und „Tanti Polli“), doch dafür wird nun auf Humor gesetzt, der die Art des Gesangs weitaus erträglicher und sinnvoller macht. Zwar mischt sich auch mal eine ernste und gute Nummer wie „Der Zweifel“ dazwischen, doch im Vordergrund stehen Blödel-Balladen („Im Radio Liefen CCR“) und die Funk-Parodie in Gestalt des Titeltracks. Dass arabisch angehauchte Sounds bei „Sankt Pauli Bei Nacht“ erklingen, darf ebenfalls dem Humor der Band zugeschrieben werden.

Wer nicht mindestens einmal breit Grinsen oder wenigstens ungläubig, aber belustigt, den Kopf schütteln muss, der macht wohl wirklich besser einen weiten Bogen um Tante Pollys neues Album. Wer jedoch offen für eine gute Portion Schwachsinn in seinem Leben ist und dazwischen mit „Der Reisende“ und „Der Zweifel“ auch einfach so richtig schöne Musik hören will, der sollte mehr als nur über dieses Album sinnieren. Alleinstellungsmerkmale haben die Herren genug und mit ein bisschen Glück verwandelt sich der eine oder andere Song des Albums noch in einen echten Radio-Ohrwurm.

Anspieltipps:

  • Der Reisende
  • Du Hast Studiert
  • Hitzefrei

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