Tuomas Holopainen - Music Inspired By The Life And Times Of Scrooge - Cover
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Tuomas Holopainen Music Inspired By The Life And Times Of Scrooge


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
8.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Nightwish-Chef entwickelt die Idee seiner Hauptband weiter. Und besser als jetzt war sie nie!

Jetzt ist es durch: Tuomas Holopainen ist nicht nur Nightwish, er ist selbst dann Nightwish, wenn er solo unterwegs ist. Um ehrlich zu sein, war das im Vorfeld schon zu erwarten gewesen - genauso wie die Tatsache, dass einer der größten Genies des Metals eigentlich nur etwas veröffentlichen kann, was alles vorher Dagewesene in den Schatten stellt. So einfach ist es mit „Music Inspired By The Life And Times Of Scrooge“, kurz „The Life And Times Of Scrooge“, dann allerdings auch nicht. An jeder Ecke und an jedem Ende schreit es uns an: „Schau mich an, schau welch ein Mammutwerk, welch ein Meisterwerk ich bin!“ Wer ist da nicht geblendet? Hat sich die Euphorie erst einmal gelegt und geht man nüchterner an „The Life And Times Of Scrooge“ heran, entfaltet sich jedoch definitiv ein Album, das sehr schnell den Test der Zeit bestehen wird, sich kompositorisch nicht hinter seinem Bombast und seiner Opulenz verstecken will und das dem mit Vorsicht zu genießenden Terminus „Meisterwerk“ näher kommt, als alles, bei dem der Herr Holopainen jemals seine Finger im Spiel hatte.

„The Life And Times Of Scrooge“ machte bereits Schlagzeilen, als es zum ersten Mal angekündigt wurde. Während viele das Konzept die Graphic Novel „Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden“, im Jahre 1995 mit dem Eisner-Award ausgezeichnet, mit Interesse annahmen, nahmen sich andere vornehmlich aus dem Metal-Lager stammende Menschen wahrscheinlich ein wenig zu ernst und verspotteten Holopainen. Dabei ist gerade das im Metal gar nicht mal so ungewöhnlich: Man denke nur an Iron Maidens „When The Wild Wind Blows“ („The Final Frontier“, 2010) oder die musikalische Umsetzung von Watership Down in Form von Trick Or TreatsRabbit Hill Pt. I“ (2012). Dass es sich bei Dagobert Duck um eine Figur aus dem Disney-Universum handelt, wird letztendlich auch nur bei denen ein Stein des Anstoßes sein, die den dem Album zugrunde liegenden Comic gar nicht kennen. Immerhin ist Dagobert Duck nicht umsonst die vielleicht interessanteste und vielschichtigste Figur aus Entenhausen. Holopainens „Wieso eigentlich nicht?“ ist gleichermaßen erfrischend wie auch entlarvend für eine Szene, die sich offen gibt und öfter als gedacht im Kerne verbohrter ist, als man denkt.

Ironischerweise ist „The Life And Times Of Scrooge“ gar kein Metal-Album, sondern eher eines von Nightwish, dem man das metallische Grundgerüst genommen hat. Wer die rein orchestralen Boni vom Album „Imaginaerum“ kennt, weiß in etwa, was er von Tuomas Holopainens erstem Soloalbum zu erwarten hat. Kein Wunder, schließlich arbeitete Holopainen ein weiteres Mal mit alten Bekannten zusammen und denkt gar nicht erst daran, sein Winning Team zu ändern. Große Namen wie das London Orchestra, der Chor The Metro Voices oder Don Rosa, der Autor der Vorlage, als Gestalter des Cover Artwork, unterstreichen Holopainens Ambitionen. Pip Williams zeichnet nach „Once“ (2004), „Dark Passion Play“ (2007) und „Imaginaerum“ (2011) wieder für die Orchester Arrangements verantwortlich, während der mittlerweile fest bei Nightwish engagierte Troy Donockley für den nicht zu unterschätzenden Folk-Einschlag eine sowieso immer sichere Anlage ist. Gesanglich helfen zwei Sänger und zwei Sängerinnen aus, wobei „The Life And Times Of Scrooge“ aber ein gefühltes Instrumentalalbum darstellt und sich die Vokalisten im Hintergrund halten. Johanna Livanainen, Alan Reed (Battlefield Band), Johanna Kurkela und Tony Kakko machen ihre Sache allesamt hervorragend. Letztere beide haben übrigens schon auf dem Sonata Arctica-Album „The Days Of Grays“ (2009) in den Songs „Deathaura“ und „No Dream Can Heal A Broken Heart“ zusammen gearbeitet. Warum sich Tuomas Holopainen nicht dafür entschieden hat, eine der beiden Johannas als Nachfolgerin Anette Olzons anzuheuern, bleibt ein Geheimnis. Eine bessere Wahl als Floor Jansen wären beide gewesen.

So hangelt sich „The Life And Times Of Scrooge“ eine knappe Stunde von Highlight zu Highlight und dient als offizieller Soundtrack für die Vorlage. Die eher ruhigen „Glasgow 1877“ und „Go Slowly Now, Sands Of Time“ erschaffen gekonnt einen Rahmen. Abermals folkige Reminiszenzen an Ennio Morricone findet man passenderweise in „Into The West“ - Dagobert Duck zieht los, um sein Glück als Goldgräber zu machen. Mit „Cold Heart Of The Klondike“ wird dieses Konzept weiter aufgegriffen, bis die von Tony Kakko eingesungene Komposition sich mehr und mehr in eine Nummer von Holopainens Hauptband verwandelt. Ein emotionales, dramatisches „The Last Sled“ sowie ganz besonders das überaus wuchtige „Duel & Cloudscapes“ werden dann jedem Fan Nightwishs weitaus mehr als Lückenfüller zwischen zwei Alben der Band taugen. Das düstere, von Didgeridoos begleitete „Dreamtime“, ein sowohl beschwingtes als auch melancholisches „Goodbye Papa“ sowie die im Vorfeld bekannte Single „A Lifetime Of Adventure“, welche sich im Vergleich zu den restlichen Kompositionen sehr zurück nimmt, sorgen für Auflockerung und runden das Album als Gesamtwerk ab.

Ob sich Tuomas Holopainen mit „The Life And Times Of Scrooge“ ein für alle Mal als Komponist für Filmscores einreihen will? Dass er in so manchem Meister seines Fachs ein Vorbild sieht und auch schon seit einiger Zeit dieses Ziel verfolgt, ist kein Geheimnis. Dieses Album könnte aber seinen lang ersehnten Durchbruch darstellen und überzeugt mit der erwarteten Megalomanie des Nightwish-Chefs, die künftig wohl auch nur von diesem höchstpersönlich übertroffen werden dürfte. „Music Inspired By The Life And Times Of Scrooge“ macht so ziemlich alles richtig, führt das Nightwish-Konzept auf ein neues Level und wird jedem Freund von bombastischen Scores und Symphonic Metal Freudentränen entlocken. So straft Meister Holopainen am Ende jeden ab, der an ihm zweifelte und beweist ein weiteres Mal, welch begnadeter Musiker und Komponist er doch ist. Gut, das haben wir auch schon vorher gewusst. Aber ist es nicht immer wieder aufs Neue schön, bestätigt zu werden?

Anspieltipps:

  • Into The West
  • Duel & Cloudscapes
  • Cold Heart Of The Klondike
  • The Last Sled
  • Goodbye, Papa
  • A Lifetime Of Adventure

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