Mando Diao - Aelita - Cover
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Mando Diao Aelita


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Dance With Somebody“ - oder wie werde ich am schnellsten meine Fans los.

Ein schreiend-buntes, psychedelisch gefärbtes 3D-Cover, das scheinbar im Acid-Rausch entstanden ist, dessen Titel der Markenname eines russischen Synthesizers ziert. Himmel, wo sind wir hier? Und ist das überhaupt noch Rockmusik, was unsere schwedischen Freunde von Mando Diao hier treiben? Nein! Und außerdem gibt es auch garkeinen typischen Mando-Diao-Sound, wie die beiden Masterminds Erik Gustaf Norén (33) und Björn Dixgard (33) gerne nochmals erklären, um den geneigten Hörer auf ihren neuen Longplayer vorzubereiten, der die Koordinaten „Indie“ und „Rock“ nicht mehr verdient.

Das mit der, nennen wir es mal Vielfältigkeit, hat sich mit so unterschiedlichen Werken wie „Infruset“ (11/2012) und „Never Seen The Light Of Day“ (10/2007) zwar bereits angedeutet, doch auf „Aelita“ machen die Schweden nun wirklich ernst und befördern Rock, Synthie-Pop, Soul, Elektro und Dance in einen großen Topf, werfen einen laufenden Stabmixer hinterher und schauen mal, was dabei herauskommt.

Die erste Singleauskopplung „Black saturday“ besitzt neben treibenden Rhythmen und dem typischen fordernden Gesang eine auf Anhieb ansteckende Melodie, die mit 80er-Jahre-Synthesizer-Wölckchen und Vocoder-verfremdeten Vocals garniert wird. Dass sich dennoch eine Gitarre in den Song verirrt hat, kann dabei fast überhört werden, wäre da nicht das herrliche Schweine-Rock-Solo zum Ausklang. „Rooftop“ entfernt sich dagegen noch weiter vom Stil der ersten drei Mando-Diao-Alben, indem weibliche Background Vocals mit Violinenklängen und mechanisch pluckernden Beats kombiniert werden. Das ist nicht schlecht, aber bis jetzt kein Grund gewesen, um sich eine Mando-Diao-Platte zu erwerben.

Vielleicht wird aber auch eine ganz andere Generation auf Mando Diao aufmerksam, wenn nun plötzlich Synthesizer, Dance-Beats und der 80er-Jahre-Kult-Keyboarder Jan Hammer in den Sound der Schweden Einzug halten. Vielen Ur-Fans wird dies dennoch keine feuchten Träume bereiten, wie schmalzige Titel wie, nun ja, „Wet dreams“ und ereignisarme „Electro-Pop meets Autotune-Raps“-Tracks wie „If I don’t have you“ in der Folgezeit belegen. Zudem mäandern die Songs meist viel zu lange vor sich hin, ohne dass sie die ausufernde Spielzeit mit Inhalten füllen können („Baby“, „Lonely driver“).

Nein, Freunde, so wird das leider nichts! Was als demütiges Sideproject definitiv besser aufgehoben gewesen wäre, ist nicht mehr als das unnötige Ausloten von Grenzen und der gescheiterte Versuch, sich irgendetwas beweisen zu wollen. Dabei hätten wir die Schweden sehr gerne für ihre Experimentierfreude gefeiert. Doch mit überwiegend platten und nichtssagenden Stücken, die wie eine schauderhafte Mischung aus Giorgio Moroder, Vangelis, Camouflage, Björk, Falco und Modern Talking klingen, kann das nicht funktionieren.

Anspieltipps:

  • Child
  • Rooftop
  • Black saturday
  • Make you mine
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