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Bonaparte Bonaparte


  • Label: Staatsakt/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Indie-Großstadt-Disco-Quatsch auf der Suche nach Relevanz.

Der Schweizer Tobias Jundt und seine Band Bonaparte brachten vom ersten Tag seit ihrer Gründung im Jahr 2006 ein hohes Spalter-Potenzial in die hiesige Indie-Szene ein. Ihr sogenannter Visual-Electro-Trash-Punk, in Kombination mit zirkusreifen Bühnenshows und verrückten Fantasiekostümen, war und ist für den Gewohnheitshörer einfach too much. Love it, or hate it. Guten Tag, auf Wiedersehen. Nichtsdestotrotz findet sich das Wahl-Berliner Künstlerkollektiv inzwischen in den Vertriebswegen eines Majorlabels wieder und erhält somit leichter Zugang zur öffentlichen Wahrnehmung. Mehr Geld für Promotion, Aufnahmen in New York und zu fast jedem Song des neuen, selbstbetitelten Longplayers einen Videoclip – so lässt es sich leben und arbeiten.

Im Brooklyner Studio von Produzent Andy Baldwin (u.a. Morcheeba, Richard Ashcroft, Björk, Neneh Cherry) wurden die Songideen von Tobias Jundt gebündelt und in das gewohnt zappelige Klangbild von Bonaparte gebracht. Denn auch wenn der Entstehung des neuen Albums eine Art Selbstfindungsprozess vorausgegangen sein soll, weil auf dem vorherigen Werk „Sorry We’re Open“ (08/2012) künstlerisch ein bisschen die Luft ausgegangen sein mag, ist „Bonaparte“ doch wieder ein typischer Wirkungstreffer in die Weichteile des Otto-Normal-Hörers.

Dabei sollte die Musik auf „Bonaparte“ auf gar keinen Fall völlig überhöht und kritiklos als schwer zugängliche Kunst deklariert werden, um sich auf diese Weise einen Freibrief zu erschlichen. Wie wäre es, einfach mal die Kirche im Dorf zu lassen und das Intro „1-800“ als handzahme Fingerübung zu entlarven, das gezielt auf Indie-Großstadt-Disco-Hit getrimmte „I wanna sue someone“ als Kraftklub-Abkupferei zu bestimmen, die Kollaboration mit Rapper Tim Fite in „Me so selfie“ als inhaltslose und möchtegern-coole Dicke-Hose-Nummer anzuprangern und „Two girls“ als sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wiederholende Indie-Zappelbuden-Kraftmeierei an die Wand zu nageln?

Wer jetzt schon keine Lust mehr auf die Musik hat, muss sich aber noch mit Songtiteln wie „Like an Umlaut in english“ oder „May the best sperm win“ herumschlagen, die Ausdruck von Bonapartes Humor sein mögen, aber zu bemüht erscheinen, als dass sie dem wilden Treiben auf dem Album auch nur ansatzweise eine zusätzliche künstlerische Facette verleihen könnten. Auf diese Weise hat sich Bonapartes Visual-Electro-Trash-Punk jedenfalls schon nach „My Horse Likes You“ (06/2010) verbraucht, sodass wir nun auch keine weiteren lauwarmen Aufgüsse mehr benötigen.

Anspieltipps:

  • Two girls
  • Into the wild
  • Out of control
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