Edguy - Space Police: Defenders Of The Crown - Cover
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Edguy Space Police: Defenders Of The Crown


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Schritt zurück zum Power-Glück.

Das Jahr 2014 steht ganz im Zeichen des Power Metals! Gamma Ray, Freedom Call und Sonata Arctica haben ihre jeweils neuen Alben bereits releast und bevor die erste Jahreshälfte rum ist, legen auch Fuldas Goldjungens Edguy nach und veröffentlichen mit „Space Police: Defenders Of The Crown“ ihr zehntes Studioalbum. Dabei sind sowohl der Titel „Space Police: Defenders Of The Crown“ (laut Tobias Sammet und Jens Ludwig sind gleich zwei Songs des Albums passend), als auch das unglaublich bescheuerte Cover-Artwork typisch Edguy. Diese Band nimmt sich auch 22 Jahre nach ihrer Gründung nicht ernst. Wer sich einen „Tinnitus Sanctus“ holt oder zu viele „Rocket Rides“ startet, dem ist auch nicht zu helfen. Dann kommt der Space-Polizist, welcher anscheinend von den Village People geliehen wurde, mit seinem Dracheninsekt (?), und die bringen immerhin genug Trademarks mit, so dass Album Numero zehn sehr viel mehr an die frühe Phase der Gruppe erinnert, als es bei den letzten beiden Longplayern der Fall war.

So mancher Anhänger der ehemaligen Schülerband wird sich freuen, dass sie auf „Space Police: Defenders Of The Crown“ ihr über die Jahre aufgebautes Hardrock-Image vorsichtig an die Seite legt und wieder mehr in die Power-Metal-Ecke geht. Lediglich „Love Tyger“ spielt ein bisschen mit Glam, hat aber im Endeffekt zu wenig Haarlack abbekommen, um wirklich mitzureißen. Dann lieber das letzte Avantasia-Album „The Mystery Of Time“ (2013) hören - das hat schließlich (unpassenderweise) auch genug Cock-Rock unter dem Kilt. Ähem ... Dafür gibt es mit dem Opener „Sabre And Torch“, „Defenders Of The Crown“ und „Shadow Eaters“ eine geballte Ladung auf die Power-Metal-Mütze. Besser haben es Edguy sicherlich schon gemacht, egal ob nun auf „Vain Glory Opera“ (1998), dem Vorzeigewerk „Mandrake“ (2001) oder „Hellfire Club“ (2004) - aber auch, wenn sich die Band mittlerweile in eine andere Richtung entwickelt hat, heißt das nicht, dass sie nun automatisch wieder auf der Gewinnerseite steht. Ein wenig beliebig klingt es schon, wenn auch nicht wirklich schlecht. Das belanglose Schunkelstück „Alone In Myself“ kann zudem als vielleicht schwächste Ballade der Band gezählt werden, welche der Band nach Songs wie „Save Me“ oder „Roses To No One“ keinen Gefallen tut. Langjährige Fans sollen sich unbedingt ihr eigenes Bild machen.

Doch „Space Police: Defenders Of The Crown“ hat auch einige Schmankerl zu bieten; teilweise einige der besten der letzten Jahre. Das absolute Glanzlicht ist der Quasi-Titeltrack „Space Police“ selbst. So eine hitverdächtige, euphorische Power-Metal-Hymne hatten Edguy zuletzt auf „Rocket Ride“ (2006)! Während sich der Refrain in die Gehörgänge regelrecht einbrennt, überrascht und begeistert dann besonders der an 80er-Anime wie Captain Future, Macross oder Saber Rider gemahnende Backgroundgesang der Songtitel-Punchline. Der ätherische Theremin-Sound hingegen schlägt die Brücke zu 50s-Sci-Fi-Trash. Spaßbacke Sammet singt ja gerne auch mal ein Gitarrensolo mit („Return To The Tribe“ von „Rocket Rides“). Hier jault er irgendwann schließlich pseudo-ätherisch das Theremin. Tobi spackt ab, wir freuen uns. Ein absoluter Hit!

Ebenfalls richtig gut ist „The Realms Of Baba Yaga“, welches die gleichnamige slawische Sagengestalt behandelt und mit mächtigen Avantasia-Chören im Refrain so richtig auf Zack ist. Das wahnsinnig starke „Do Me Like A Caveman“ hingegen bekommt als straighter Rocker durch ein sphärisches Keyboard eine gewaltige Portion Melancholie, während das spaßige Falco-Cover „Rock Me Amadeus“ sowieso immer klar geht - auch wenn Tobias Sammet trotz gerolltem R eher nach Herbert Grönemeyer klingt. Ein Running Gag! „Space Police: Defenders Of The Crown“ wird schließlich von „The Eternal Wayfarer“ opulent beendet. Hier schielen Edguy in Richtung „The Piper Never Dies“ („Hellfire Club“), lassen den Funken trotz des pompösen Hauptthemas aber nur zum Teil überspringen.

Dennoch ist „Space Police: Defenders Of The Crown“ ein Genrewerk geworden, welches nicht wenige Fans der Band versöhnlich stimmen sollte. Klar, die Edguy von „Kingdom Of Madness“ (1997) oder „Theater Of Salvation“ (1999) kommen nicht mehr wieder, aber das erwartet auch keiner. Generell haben sich die Spaßköppe um Meister Sammet zu sehr gewandelt. Möglich wird der Schritt zurück wohl nicht mehr sein. Wenn die Jungs aber so weitermachen, wie auf ihrem zehnten Album, sieht es wieder richtig hell in der Edguy-Galaxie aus. Zwar stehen hier noch Mittelmaß und Genialität auf Augenhöhe. Doch wenn die Burschen auf diesem Weg bleiben, Neu und Alt so gekonnt mischen und weiterhin überzeugen, darf sich jeder schon auf den mit Sicherheit kommenden Nachfolger freuen. Gut gemacht!

Anspieltipps:

  • Space Police
  • The Realms Of Baba Yaga
  • Rock Me Amadeus
  • Do Me Like A Caveman

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