Guano Apes - Offline - Cover
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Guano Apes Offline


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein gewagter Spagat: Die Göttinger schwanken zwischen Rückbesinnung und Weiterentwicklung.

Mit Acts aus den 90er-Jahren ist das ja so eine Sache. Lou Bega und Right Said Fred auf der einen, Celine Dion und Mariah Carey auf der anderen Seite der musikalischen Grenzen, bescherten uns einen ganz speziellen, aus heutiger Sicht fragwürdigen Alltag. Nur vereinzelt blitzte damals durch, was mehr oder weniger als Hoffnungsschimmer wahrgenommen wurde: Bands, wie die Guano Apes aus Göttingen, die sich einfach nicht in ein bestimmtes Schema pressen lassen wollten. Mit ihrem Alternative Rock, vor allem aber durch die vielen Crossover-Elemente und der für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlichen Internet-Vermarktung, hob sich die Band um Frontfrau Sandra Nasic deutlich von der Masse ab und schoss sich direkt in die Herzen vieler Rock-Fans.

Wenn eine Band wie diese nach ihrer vorübergehenden Auflösung und verschiedenen, zumeist weniger gelungenen Soloprojekten, vereint zurückkehrt, horcht die Welt auf. Das ist bereits daran zu erkennen, dass ein maximal durchschnittliches Werk wie „Bel Air“ (04/2011) auf Platz eins der deutschen Album-Charts landen konnte. Die Neugier, was die Helden von damals noch zu bieten haben, war groß und entsprechend groß fiel auch die Enttäuschung aus. Was hat der Hörer also noch zu erwarten, wenn drei Jahre später ein neuer Versuch gestartet wird? Eigentlich nicht viel. Und genau das kommt den Göttinger Rockern auf ihrem mittlerweile fünften Studioalbum tatsächlich ein wenig zu Gute.

„Offline“ schafft den Absprung aus der neu erschaffenen „Bel Air“-Welt. Die elektronische Musik tritt kürzer und lässt dem Rock wieder mehr Platz. Dadurch gelingt den Guano Apes ein Spagat zwischen den Anfängen ihrer Karriere und einer Neuauflage ihrer selbst. Das ist erst einmal gut und es ist auch unerwartet, denn dieser Spagat darf durchaus als Entwicklung angesehen werden. Nicht ganz unbeteiligt waren daran die beiden Produzenten Philipp Hoppen und Kurt Ebelhäuser, die bereits anderen deutschen Künstlern wie Marteria, Kraftklub und den Donots unter die Arme gegriffen haben. Ihr Einfluss ist insofern wichtig, als dass sich die Guano Apes etwas mehr aus ihrer Haut getraut haben.

Dadurch entstand eine ganz passable Ansammlung radiotauglichen Materials, wie die erste Singleauskopplung „Close to the Sun“ oder dem softem Punkrock von „Hey last Beautiful“, was insgesamt zwar noch an die alten Guano Apes erinnert, an sich aber Neuland für die Band darstellt. Doch Experimentieren ist erlaubt, denn schließlich gibt es ein Element, das alle Songs nach wie vor zusammenhält: Sandra Nasics eindrucksvolle Stimme. Einzig und allein das Rappen hätte sie auf diesem Album sein lassen sollen, tut es aber nicht. Doch die Guano Apes haben ja schon immer gerne unterschiedliche Genres verbunden.

Was letztlich von „Offline“ in Erinnerung bleibt und auf dem letzten Album ein bisschen zu wenig Einfluss hatte, ist vorrangig Rockmusik. Mit der Rückbesinnung auf diese haben sich die Guano Apes selbst und auch ihren Fans einen Gefallen getan, auch wenn längst nicht alles Gold ist, was auf „Offline“ glänzt.

Anspieltipps:

  • Close to the Sun
  • Hey last Beautiful
  • Numen
  • It’s not over

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