Client - Authority - Cover
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Client Authority


  • Label: Out Of Line/Rough Trade
  • Laufzeit: 59 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Electro-Pop, der auf Dauer völlig mürbe macht.

Was bitte ist das denn? Diese Frage werden sich unter Garantie all diejenigen stellen, die zufällig auf „Authority“ stoßen. Und selbst Client-Fans werden verwundert blinzeln. Denn dieses fünfte Studioalbum des britischen Electro-Pop-Duos nagt so grandios unverschämt an den Nerven seiner Hörer, dass es schon wieder irgendwie witzig ist. Gleichzeitig poppt im Kopf immer wieder die Überlegung auf, wo genau hier eigentlich der Fehler steckt. Liegt es an Client N, der neuen Sängerin, die eigentlich Nicole Thomas heißt? Nicht unbedingt. Ihr Gesang reicht zwar von der Atmosphäre her nicht ganz an den ihrer Vorgängerin Client B (Sarah Blackwood) heran, aber das ist hier nicht das eigentliche Problem. Es liegt auch nicht an dem Umstand, dass diese Musik in entsprechenden Clubs um 4 Uhr morgens viel besser wirkt als zu Hause auf der Couch. Nein, es ist eine Qualitätsfrage, die hier entscheidend ist.

„Authority“ funktioniert für etwas mehr als 17 Minuten, dann ist die Vorabsingle „You Can Dance“ vorüber und mir ihr der stattliche Titeltrack, in dem Client N das erste Mal beweisen darf, was in ihr steckt. Auch das effektgeladene „XXX Action“ ist da schon vorbei, ebenso wie das stampfend-militante „Design“, zu dessen Instrumentierung auch Marilyn Manson nicht nein gesagt hätte. Vielleicht kann man Client mittlerweile nicht mehr länger als eine Viertelstunde am Stück hören, denn nach „You Can Dance“ nimmt das Unheil seinen Lauf: Die Musik beginnt zu nerven. Zugegeben, die Schöpfungen dieser Band waren schon immer so durchdacht wie speziell, doch gab es bisher diese distanzierte Kühle, die alles zusammengehalten hat. Damit ist jetzt Schluss: „The Shining Path“ ist praktisch schon mit den anfänglichen Synthies durchgefallen, bei „Refuge“ greift das Duo noch weiter daneben und auch „After Effect“ kommt nicht wirklich besser weg.

Was ist passiert? Im Grunde genommen wandelt sich „Authority“ nach dem durchaus gelungenen ersten Drittel in eine Suppe aus Beats, Synthie-Sounds und zuckrigem Pop-Gesang, die immer gleich schmeckt. Als Hörer geht man in eine Art Egal-Haltung über, nimmt das alles nur noch teilnahmslos hin, Song um Song. Große Unterschiede gibt es keine, alles plätschert bzw. bollert vor sich langhin. „Artificial“ ist ein kleiner Lichtblick, „Obsession“ auch, aber dann zieht sich dieser Track ewig hin und der Reiz verfliegt wieder. Und als wäre das alles Absicht, holen Client mit „Quarantine“ und vor allem „Nocturnal Eyes“, das wahnsinnige neun Minuten andauert, zum finalen Schlag aus, bis alle völlig mürbe sind. „Die wahrscheinlich einflussreichste Female-Electronica-Band“, heißt es in der Pressemitteilung. Mit „Authority“ haben sie dieses Lob nicht gerade bestätigt.

Anspieltipps:

  • Authority
  • Design

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