I Am Heresy - Thy Will - Cover
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I Am Heresy Thy Will


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nathan Gray lehrt seinem Sohnemann Simon den Hardcore, Teil 2.

Alleingänge von Söhnen und Töchtern legendärer oder zumindest bekannter Musiker gehen oftmals in die Hose. Man denke nur einmal an das blutleere Debüt „City Of Vultures“ (09/2011) der Metalcore-Truppe Rise To Remain von Bruce Dickinson-Sprössling Austin. Tja, es gehört eben meist mehr dazu, als nur einen bestimmten Namen zu tragen, um musikalisch und gleichzeitig kreativ zu sein. Dabei muss es nicht immer gleich eine komplett eigenständige Band sein, die aufgrund elterlicher Abnabelung für Aufsehen sorgt, wie das neue Projekt von Boysetsfire-Gründer und Sänger Nathan Gray zeigt. Hier gibt es abseits der Musik kein stures Gepöbel und Geprotze, sein Sohn Simon ist einfach einer von drei Gitarristen des I Am Heresy betitelten Sextetts (neben Nathan und Simon befinden sich noch Jay Sin und Gregg Kautz an der Gitarre, Matt Balog am Bass und Crumbs Konieko am Schlagzeug).

Die stilistische Einordnung fällt trotz einer gewissen Ähnlichkeit zu Gray Seniors Hauptband etwas schwieriger aus, handelt es sich bei den Häretikern mehr um eine Lehrstunde für den Sohnemann in Sachen Hardcore Metal, denn um eine Weiterführung der Trademarks von Boysetsfire. Die weitreichende und überschäumende Umschreibung des Pressetextes „Es treffen flirrende Black Metal-Melodien auf schrägen 90er Jahre-Noisecore der Marke Deadguy und Thrash-Vollgas-Alarm prügelt sich mit der fiesen Negativität von den Clevo Hardcore Ikonen Integrity. Dazu werden schwere, düstere Akustik- und Folk-Elemente eingeflochten, die dem Soundkonzept der Band eine zusätzliche Tiefe verleihen“ wird zwar nicht in diesem Ausmaß erreicht, da z.B. die Noise-Attacken mit Ausnahme des ohne Vorwarnung in die Magengrube dreschenden Openers „Rahabh“ nicht mehr in dieser konsequenten Ausformung aufzufinden sind und das angesprochene Schwarzmetall wohl eher als PR-Gag gedacht ist, aber einen ungefähren Eindruck von „Thy Will“ bekommt man dadurch trotzdem. Frei nach dem Motto: „Alles ist möglich!“

Der größte Kritikpunkt ist aber zugleich auch eine der großen Stärken des I Am Heresy-Zweitlings, denn so viele unterschiedliche Songideen und -skizzen hört man auf einem Album selten. Dadurch wird der dreiviertelstündige Ausflug in die Weiten des Hardcore zwar nie langweilig, von einem homogenen und in sich schlüssigen Werk kann jedoch nicht gesprochen werden. Paradigmatisch dienen hierfür die an Thrice erinnernden Ausflüge in melodische Sphären („March of black earth“, „As we break“, „Seven wolves and the daughters of apocalypse“), die brachial-rhythmischen Knüppel „Blasphemy Incarnate“ und „Throw wide the gates“, sowie dynamische Kompositionen, die zwischen schleppenden Morastgebärden und zackigem Punk („Destruction anthems“), als auch versöhnlichen Vocals und fein herausgearbeitetem Riffing wandeln („Thy will I (Black sun omega)“), welche für sich gesehen großartige Nummern darstellen, im Gesamtkontext aber mehr als nur einmal dem Fluss von „Thy Will“ im Weg stehen. Wer diesem sperrigen Ansatz etwas abgewinnen kann und keine Scheu davor hat, ein Album erst nach dem 10. oder 20. Mal in all seinen Facetten schätzen zu lernen, der dürfte hier an der richtigen Adresse sein. Alle anderen picken sich wohl besser die Rosinen aus dem Kuchen und warten auf den Nachfolger zu „While A Nation Sleeps“ (06/2013).

Anspieltipps:

  • As We Break
  • Blasphemy Incarnate
  • Throw Wide The Gates
  • Thy Will II (Black Sun Omega)
  • Seven Wolves And The Daughters Of Apocalypse

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