Bela B - Bye - Cover
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Bela B Bye


  • Label: B-Sploitation/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Howdy Partner! Bela B lässt jetzt den Cowboy raus.

Obwohl Bela B das coolste Die Ärzte-Mitglied ist, stammen die meisten Hits doch von seinem Band-Kollegen Farin Urlaub: „Zu spät“, „Du willst mich küssen“, „Westerland“, „Elke“, „Männer sind Schweine“, „Unrockbar“, „Junge“ - alles Werke des großen, blonden Mannes mit dem breiten Grinsen. Entsprechend dieser Rangordnung verliefen bisher auch die jeweiligen Solokarrieren: Farins drei Alben haben allesamt eingeschlagen, Belas liefen gut, aber eben nicht so gut wie die von Farin. Und Rod - tja, mehr als ein paar Ärzte-Fans werden gar nicht wissen, dass seine Zweitband „¡Más Shake!“ überhaupt existiert. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ohne den Humor von Bela B wären Die Ärzte wohl nie so gigantisch geworden, wie sie es seit Jahren sind, aber es war schon fraglich, ob seine Soloalben ebenso funktionieren würden wie eine Veröffentlichung seines Hauptarbeitgebers.

Aber was soll man anderes behaupten: Mit „Bingo“ (2006) und „Code B“ (2009) hat Bela dann doch ganz ordentlich abgeliefert und zeigte sich vor allem beim Debüt um einiges inspirierter als zahlreiche Musiker aus berühmten Bands vor ihm. Schon damals klang mit „The First Song Of The Day“ (feat. Lee Hazlewood) bereits das an, was der Spandauer nun zur Grundlage seiner dritten Soloplatte „Bye“ erkoren hat: Hier etwas Rockabilly, da etwas Americana und dazu noch etwas Soul und moderner Country. Das alles wird zusammengehalten von seiner Begleitband Smokestack Lightnin' aus Nürnberg, die Bela B einst im Radio entdeckt hat.

Man muss „Bye“ nicht durchgängig super finden, um zu erkennen, dass diese Neuausrichtung das einzig Richtige war, was der Berliner machen konnte. Endlich klingen die Songs nicht mehr so, als hätten sie auch auf einem Ärzte-Longplayer landen können. Bela B tobt sich aus, geht völlig neue Wege, greift dabei zwar auch mal daneben, liefert aber so wenigstens sein authentischstes Soloprojekt ab. Und dabei traut er sich sogar richtig was: „Teufelsküche“ (das eigentlich eine Tom Waits-Widmung verdient hätte) oder „Der Sünder“ klingen mächtig düster und passen doch so gut in diese Sammlung, deren Highlights ansonsten vor allem die Nashville-typischen Duette „Nicht nice“ (mit Peta Devlin) und „My Soul / Dein Herz“ (mit Lynda Kay) sind.

Es hätte alles so schön werden können, wären da nicht diese zwei What- the-fuck-Momente, die gerade dann aufkommen, wenn man langsam beginnt, „Bye“ richtig gern zu haben. „Der kleine Streichholzmann war von den Zündholzmädchen sofort fasziniert“, textet Bela in „Streichholzmann“ (WTF?), „Ich sitze auf einem Spermafleck, auf der Rücksitzbank meines Wagens“, heißt es in „Sentimental“ (WTF?!). Diese lyrischen Aussetzer werden zwar durch das liebevolle Gesamtbild des Albums abgeschwächt, hinterlassen aber doch ein paar Kratzer. Auch bleiben einige Songs naturgemäß etwas blasser („Wenn das mal Liebe wird“; „Immer so sein“), was aber im Umkehrschluss bedeutet, dass auch reichlich gelungenes Material auf „Bye“ zu finden ist. Und wer sich dann noch dafür begeistern kann, dass jeder Song von einer anderen Persönlichkeit eingezählt wird (darunter Wanda Jackson und Lucinda Williams), dem kann man nur viel Spaß wünschen mit diesem interessantesten aller Bela B-Alben.

Anspieltipps:

  • Der Sünder
  • Nicht nice
  • Abserviert

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