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EMA The Future´s Void


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Erika M. Anderson weiß jetzt mehr was sie nicht will, aber immer noch nicht, was sie wirklich will mit ihrer Kritik der digitalen Welt mittels Digital-Folk.

Auf „Past Life Martyred Saints“ schien es bereits durch: Erika M. Anderson hätte gut in die Ära des Grunge gepasst, mit ihrer Unsicherheit, Konsumkritik, Rebellion, Ikonisierungsverweigerung. Die Emos mögen das Haare-in-der-Fresse-tragen kultiviert haben, de facto kommt es aus dem Seattle der frühen Neunziger und an die Seite einer jener Ikonen wider Willen dieser Zeit hätte die junge Wahlkalifornierin ästhetisch und emotional gut gepasst.

Dem krachigen Beginn, zwischen Wut („Satellites“) und souveräner Schaustellung („So Blonde“), folgt ein sukzessiver Abgang in die Depressivität und Verunsicherung einer Orientierungs- und Identifikationslosigkeit dank der digitalen, konsumdiktatorischen Welt des Facebook-, des Fassadenzeitalters. So endet „The Future's Void“, trotz anfänglicher Unterschiede, dann doch so wie das Debüt sich gebiert.

Da mag man bei Literatur raumgreifender, thematisch ergiebiger aufgehoben sein, Stichwort: der postmoderne Roman, vor allem der US-amerikanische à la David Foster Wallace oder Don DeLillo; als Diskursvorlage bietet EMAs zweites Album wenig überzeugende Argumente, eher einen Überdruss am Lamentieren. Auch verweist sie mit dem Songtitel „Neuromancer“ und seinem white-rap vor verzerrten Rockgitarren ausgerechnet auf die Science Fiction-Bibel der Achtziger gleichen Namens von William Gibson, die zur Vorlage der Matrix-Blockbuster wurde und der wir den Duden gewordenen Begriff „Cyberspace“ verdanken. Ein Bestseller, der weniger kritisch als prophetisch mit der nun vorherrschenden Ära des von DeLillo ausgerufenen „digitalen Imperativs“ umging.

Indes sind das alles höchstens Abzüge in der B-Note, Anderson ist keine Uni-Dozentin, obschon sie ihre Gesellschaftskritik weniger platitüdenhaft und stattdessen Alternativen gebend hätte formulieren können. Die emotionale Reise auf der düsteren Ansage „The Future's Void“ ist fragil und stellenweise mit schönen Höhepunkten durchzogen („Satellites“, „Cthulu“), ihr Digital Folk bleibt grungy, bleibt eine Spielart rebellischen Rocks. Dass eine einzige Frau ihre Unsicherheit so Konsequent musikalisch zur Schau stellen kann, wäre nur eines der Gegenargumente, der Anderson zu entgegnen, dass so „void“ die Zukunft gar nicht sein kann.

Anspieltipps:

  • Satellites
  • Cthulu
  • So Blonde

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