Nickel Creek - A Dotted Line - Cover
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Nickel Creek A Dotted Line


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nickel Creek haben mit „A Dotted Line“ ein Album geschaffen, welches nicht genügend Ausrufezeichen setzt, dazu allerdings einige Fragen aufwirft.

Es ist schwer, von der ganz großen Liebe abzulassen. Fans verteidigen ihre Lieblinge gern und lang, auch wenn der revolutionäre Funke längst nicht mehr vorhanden ist. Nach neun Jahren Hiatus haben sich Nickel Creek aus Kanada wieder zusammengefunden und machen für viele da weiter, wo sie aufgehört haben. Diese Kritik nimmt eine etwas andere Perspektive ein. Nickel Creek kehren mit „A Dotted Line“ in erster Linie zurück und finden wieder zusammen. Das Ergebnis ist solide und erinnert immer wieder daran, dass die Kanadier sich als Grammy-Gewinner rühmen dürfen. Insgesamt klingt das neue Album jedoch nach Findungsprozessen in alle Richtungen.

Country können sie noch. „Rest Of My Life“ und „Destination“ begeistern bei heute üblicher Überproduktion mit minimalem Klanggewand, doch besonders hinter dem Opener stecken zu wenig Kraft und Gefühl, als dass „Rest Of My Life“ länger im Gedächtnis bleiben wird. Dagegen ist aus „Destination“ zumindest eine Hymne geworden, der zwar gegen Ende die Puste ausgeht, die allerdings von einer hervorragenden Melodie profitiert. Gewiss sind diese Lieder nicht die Höhepunkte der Bandgeschichte, doch für die neue Scheibe sollen sie den Durchschnitt verdeutlichen.

Wenn das Album den soliden bis guten Beginn zusammen mit der schönen Interlude „Elsie“ weiterführen würde, dann könnte man „A Dotted Line“ als vorsichtige Rückkehr zumindest als qualitativ ansprechend feiern. Doch das Album verstrickt sich in strukturellen, aber auch musikalischen Problemen. Die gut fünfminütige Instrumentalnummer „Elephant In The Corn“ ist schlichtweg nicht so gut, wie sie manch einer sehen möchte und unterbricht die potenziell stärkste Phase des Albums. Der starken Ballade „Love Of Mine“ sollte das Rock orientierte „You Don't Know What's Going On“ folgen, um versöhnlich in das konservativ gehaltene, aber ebenfalls nett anzuhörende „Where Is Love Now“ ausklingen zu können.

Genau wie „Where Is Love Now“ sind auch „Christmas Eve“ und „21st Of May“ bei aller Grundqualität der Band nur Mittelmaß. Hinzu kommt das unangenehm nach den Neunzigern klingende Pop- und HipHop-Symbiont „Hayloft“. Das Prädikat progressiv wäre hier schlichtweg eine Entschuldigung für eine gewaltige Geschmacksverirrung. Zusammen mit diesem unpassenden Einzelstück und einem Tick zu viel Mittelmaß muss man sich eingestehen, dass Nickel Creek erst wieder dahin kommen müssen, wo sie einst waren. Sobald sie dort angekommen sind, können sie es wieder mit Voranschreiten probieren. Bis dahin sollten sie sich allerdings gehörig am Riemen reißen, um sich nicht Freifahrtscheine für mangelnde Qualität zu verpassen.

Anspieltipps:

  • Destination
  • Love Of Mine
  • Elsie

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