Gabby Young - One Foot In Front Of The Other - Cover
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Gabby Young One Foot In Front Of The Other


  • Label: India/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Gabby Young kann sich nicht zwischen Genie, Wahnsinn und Biederkeit entscheiden. Das Ergebnis ist dementsprechend unausgeglichen.

Gabby Young ist so etwas wie ein Anschauungsbeispiel für die Theorie eines Multiversums. In der einen Realität veröffentlicht sie den fürchterlich repetitiven Opener „Sur La Lune (...A French Ditty)“ und das nervtötend gezwungen quietschende „Back Where We Started“ als Auskopplungen ihres neuen Albums und wird des Vereinigten Königreichs verwiesen. Die Parallel-Gabby-Young hingegen weiß mit „Time“ und „The Devil Has Moved In“ einprägsame Pop-Kunst zu präsentieren und erobert mit ihrem leicht zugänglichen Art-Pop Masse wie Klasse im Sturm. Wir sind leider im Limbo dazwischen gefangen und müssen mit beidem zurechtkommen, was alles andere als eine leichte Aufgabe ist.

In Schulnoten von 1 bis 6 findet man auf „One Foot In Front Of The Other“ so ziemlich jede Note vor. Totalausfälle gibt es zwar nicht, doch besagter Opener, sowie der Closer des Albums entbehren jeglicher nennenswerter Qualität. Gabby Young versucht sich an Samba, Chanson und Indie und mischt all dies mit Popmusik. Dabei kommen mit „Time“ Ergebnisse heraus, die selbst eine Lily Allen als bieder erscheinen lassen. Auf der anderen Seite präsentiert Young aber auch viel Mittelmaßware von der Stange.

Das liegt meistens an ihr selbst. Eine brave, wenn auch schöne Seemannsballade („Another Ship“) und lediglich ein starker Refrain, der die Strophen außer Acht lässt („I've Improved“) sind nur zwei Beispiele, wie die Musikerin an fehlender Reife im Songwriting scheitert. Entweder trägt sie ihre Lieder viel zu lange vor oder Gabby traut sich nicht recht aus einem wieder recht konventionellen Kostüm. „Smile“ und „Saviour“ stellen funktionierende, aber zu keinem Zeitpunkt begeisternde Singer/Songwriter-Musik dar.

Wegen all der Mittelmäßigkeit können „The Devil Has Moved In“ und natürlich „Time“ zwar umso mehr erstrahlen, doch gleichzeitig verbietet es sich, das komplette Album zu loben. Zwei herausragende und ein paar gute Titel sind nicht genug, um von unpassender 08/15-Kost abzulenken. Gabby Young muss sich vorwerfen lassen, dass sie ihr Potenzial in groß angelegtem Wahnsinn zu selten ausspielt und anstatt mit feinen Balladen zu nuancieren, ihren Konzepten keine treffenden Höhen und Tiefen verschaffen zu können.

Anspieltipps:

  • Time
  • The Devil Has Moved In
  • One Foot In Front Of The Other

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