Dis.Agree - Break The Chains - Cover
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Dis.Agree Break The Chains


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein hundsgemeiner Abwurf von Live-Bomben.

Auch wenn eine Band mit Wettbewerben oder als Vorgruppe den einen oder anderen Erfolg einfährt, so kann der unerwartete Tod eines Mitglieds all das nur zu leicht überschatten. So eine Gruppe ist Dis.Agree. Nach dem tragischen Unfalltod ihres Frontmanns Denis Tietz im Jahre 2011, gab es erst einmal eine Pause und wahrscheinlich stand in dieser Zeit so einiges auf der Kippe. Zum Glück haben die verbliebenen vier Mitglieder die Zähne zusammen gebissen und sich mit Sebastian Linder einen neuen Frontmann geholt. Das Dis.Agree-Schlachtschiff darf also weiter schippern und ist anno 2014 endlich im sicheren Hafen angekommen. Nach dem in Eigenregie veröffentlichten „Dissertatio Humanitas“ (2010) haut die Band nun acht Jahre nach ihrer Gründung ihr „zweites“ Debüt „Break The Chains“ raus. Headbanger und Faustschwinger frohlocken, denn diese harten Jungens haben zehn schlagkräftige Argumente für die zünftige Klopperei zu lieblichen Brutaloklängen.

In musikalischer Hinsicht sind Dis.Agree Großwildjäger in der Savanne des extremen Metals. Egal ob moderner Thrash, groovender Death oder brutaler Core - Dis.Agree werden das Kind schon schaukeln. Aus diesem Grund darf der geneigte Hörer auch erst gar keine Verschnaufpause erwarten. Die rund 42 Minuten von „Break The Chains“ rumpeln sich in die Lauscher und sind typische Pitfiller. Brutale Riff- und Doublebasssalven in Form von „Break These Chains“, „Fading Away“ oder besonders „Can't Walk On“ sprechen hier eine klare Sprache, sind technisch einwandfrei gezockt und profitieren allesamt vom wahrhaft ekelhaften Gesang Jens Hagemanns und Sebastian Lindners, die sowohl in Sachen Screams als auch Growls eine klasse Arbeit abliefern und als dynamisches Duo überzeugen. Auch aus diesem Grund bekommt „Break The Chains“ dann und wann eine bitter benötigte Abwechslung. Viel ist auf Livekompatibilität ausgelegt. Das mag für eine Band dieses Schlages sinnvoll sein, lässt die Bewährungsprobe auf Tonträger aber sehr viel schwieriger ausfallen. Was im Moshpit funktioniert, muss nicht auch zwangsläufig zwischen Wohnwand und Couchtisch möglich sein - da sind Dis.Agree aber sicherlich alles andere als ein Einzelfall.

Und wenn ein eher langsameres Donnergrollen wie „Into Damnation“ als ätzende Säure die Gehörgänge zerfrisst oder die sich unheilvoll aufstauenden und melodischen „Running Down My Dreams“ und „Schizophrenia“ geschickt mit modernem Melo Death vom Soilwork-Schlage spielen, ohne dabei großartig abzukupfern, beweisen Dis.Agree, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Somit erscheint „Break The Chains“ am Ende wie ein Kompromiss für verschiedene Hörerschaften. Definitive Live-Perlen und musikalisch interessante, virtuos dargebotene Tracks geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Wenn es dann um die eigene Identität der jungen Band geht, sind die Ketten sicherlich noch nicht gesprengt. Fairerweise trifft das aber auf jeden zweiten Genrevertreter zu und nur die wenigsten sollten dabei so (beinahe erschreckend) professionell aufspielen wie Dis.Agree. Freunde der extremen Metal-Kunst, die stets auf der Jagd nach einem potentiellen Hit sind, finden in den fünf Musikern ohne Zweifel einen Act, den es sich anzuspielen lohnt. Luft nach oben gibt es sicherlich noch, aber Dis.Agree besitzen durchaus das Zeug, auch in Zukunft noch von sich reden zu machen.

Anspieltipps:

  • Can't Walk On
  • Running Down My Dreams
  • Into Damnation
  • Schizophrenia

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