Lucius - Wildewoman - Cover
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Lucius Wildewoman


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Starke Frauen braucht die Musikbranche! Lucius sind auf gutem Wege, auch in Europa anerkannt zu werden.

Lou Reed, Norah Jones, Lenny Kravitz: Sie alle haben bewiesen, dass der New Yorker Stadtteil Brooklyn mit Vorliebe starke Persönlichkeiten und begnadete Musiker hervorbringt. Die lange Liste der Stars, die weit über das Musikbusiness hinausreicht, lässt sich nahezu beliebig fortsetzen. Da ist es kein Wunder, dass die beiden Lucius-Frontfrauen Jess Wolfe und Holly Laessig gerade diese Stadt ausgesucht haben, um ihrem Traum vom Debütalbum näher zu kommen. Und sie haben es geschafft.

„Wildewoman“ heißt das gute Stück, das elf Tracks beinhaltet und laut Plattenfirma unter anderem „analogen 60s Vibe“ mit „80s Synth“ verbindet. Neben dem durchaus eigenwilligen Sound fallen vor allem die Stimmen der beiden Amerikanerinnen auf. Pluspunkt Nummer eins: sie sind perfekt aufeinander abgestimmt, klingen ebenso harmonisch wie kräftig. Auf der Reise zum begnadeten Sängerinnen-Duett sind sie also auf dem richtigen Weg, aber apropos kräftig: In Sachen Toughheit steht die Musikbranche dem New Yorker Szeneviertel in nichts nach. Es braucht gefestigte Persönlichkeiten, um hier zu bestehen. Und es braucht frische Ideen.

Davon scheinen Wolfe und Laessig, die gemeinsam auf die Bostoner „Berklee School of Music“ gegangen sind, ein ganzes Repertoire zu haben. Zwar kennen wir schon Bands mit zwei Frontfrauen - Tegan And Sara - und optisch könnten die beiden Damen ebenfalls als Zwillinge herhalten. Doch ihre Songs sind erfrischend vital, ihre Melodien jugendlich mit reifen Texten, ihr Stil gitarrenlastig, ohne dass es wirklich auffällt. Denn obwohl neben Dan Molad am Schlagzeug gleich zwei Gitarristen am Werk sind (Peter Lalish und Andrew Burri), bleibt das dominierende Element die Mehrstimmigkeit. „I don’t need you anyway, go home“ schallt es einem mitunter entgegen. Die eindeutige Aussage ist aber sicherlich nicht an angehende Fans gerichtet und die würden sich wohl auch nicht so einfach abschütteln lassen. Denn die doppelte Untermalung der Texte hat einen anziehenden Effekt auf den Hörer.

Die ruhigen Passagen erinnern an Lykke Li, denn auch Lucius wissen um den Reiz sanfter Melodien, die auf einen unterschwelligen, aber eben doch vorhandenen Rhythmus treffen, der z.B. im Falle von „Two of us on the run“ von einer leisen Gitarre geprägt wird. Andere Songs, unter anderem „How loud your heart gets” wiederum werden getragen von synthetischeren Klängen und klaren Stimmen. Damit haben die Wahl-New-Yorker eine Mischung geschaffen, die den Ansprüchen an ein erfolgreiches Debüt durchaus gerecht werden.

Fans von Mainstream-Alternativen seien Lucius sehr ans Herz gelegt. Bleibt zu hoffen, dass sie auffällig genug sind, um wahrgenommen zu werden und verrückt genug, um es in Brooklyn auszuhalten. Zunächst aber geht es raus aus der Metropole und auf zur Europa-Tour. Drücken wir die Daumen für volle Hallen.

Anspieltipps:

  • Turn It Around
  • Go Home
  • Two Of Us On The Run
  • How Loud Your Heart Gets

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