Sebastian Hämer - Schattenmann - Cover
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Sebastian Hämer Schattenmann


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem fliegenden Mann wird der Schattenmann.

Erster Gedanke zu den ersten Tönen von „Schattenmann“? Xavier Naidoo. - Das ist einerseits vermutlich nicht ganz fair, da dieser Vergleich schon beim Debütalbum fiel und seither immer wieder aufgekommen ist. Andererseits ist die Ähnlichkeit der beiden Stimmen einfach nicht zu leugnen und auch nicht wegzudenken. Sie gilt schließlich auch als Markenzeichen. Ganz abgesehen davon ist die starke Vernetzung im Deutschen „Soulpop“ genauso wenig ein Geheimnis, wie dass sich die Sänger untereinander supporten.

Doch widmen wir uns dem Album: Aus dem fliegenden Mann („Der fliegende Mann“) wird also der „Schattenmann“. Dieses Sinnbild spricht Bände. Ob Sebastian Hämer, mittlerweile 35 Jahre alt, tatsächlich auf dem Boden angekommen ist und der Sonne den Rücken gekehrt hat, lässt sich schwer sagen. Die Melodien, die Texte, sie sind sicherlich nicht fröhlich und heiter. Vielleicht sind sie sogar wirklich noch einen Tick melancholischer und persönlicher als zuvor. Das ist aber allein deshalb nicht leicht zu beurteilen, weil sie so vieldeutig und teils auch konfus wirken, wie wir es von dem Rostocker bereits gewohnt sind. Man muss schon gut zuhören, um mehr rauszufinden.

Da wäre zum Beispiel der Track „Schattenmann“, dem Album gleichnamig. Eigentlich ein melodischer Song, der gut ins Ohr geht, zwischendurch singen und lachen sogar Kinder, was ihn noch ein bisschen interessanter macht. Der Text jedoch gibt Rätsel auf. „Sei nicht so ängstlich, er tut dir schon nichts, im Grunde bist du es, nur dein Schattenlicht.“ Zugegeben, bei englischen Texten ist man selten so kritisch, doch wer auf Deutsch singt und offensichtlich Wert auf Lyrik legt, muss damit rechnen, das gelauscht wird. Das gleiche gilt im Übrigen für Songs wie „Selbst mit Leid“. Weder die besondere Schreibweise, noch die Beteuerung im Song, ohne Selbstmitleid zu sein, können darüber hinwegtäuschen, wie weinerlich das Lied ist.

Um fair zu bleiben: Nicht alle Lieder gehen in diese Richtung. Nach mehrmaligem Hören des Albums sind auch ein paar soulige Perlen zu entdecken. Sowohl der Opener „Wind“ (schön geheimnisvoll), als auch die folgenden „Der blaue Planet“ (schön groovig) und „24 Stunden“ (schön dramatisch), stehen berechtigterweise am Beginn des Albums. Und auch später schaffen sich einige Lieder Gehör: „Fallende Männer“ zum Beispiel hat die richtige Dramatik, erzählt tatsächlich eine Geschichte und ist damit typisch für Sebastian Hämer. Typisch gut.

Insgesamt jedoch erinnert Sebastian Hämer so oft an Xavier Naidoo („In die Unendlichkeit“, „Still deine Wut“), dass man sich (fast) auch ein Album von ihm hätte anhören können. Selbst ohne darauf herumreiten zu wollen, macht das eine unvoreingenommene Beurteilung schwierig, denn die Vergleiche drängen sich einfach auf. Und zu dem Mannheimer mag man stehen, wie man will: Wem Naidoo nicht zusagt, wird es Hämer auch schwer machen. Wenn man den Ersten mag, hat auch der Zweite eine Chance, wird jedoch immer ein bisschen ein „Schattenmann“ bleiben. - Ein nettes Album, aber kein Überflieger.

Anspieltipps:

  • Wind
  • Der blaue Planet
  • 24 Stunden
  • Fallende Männer

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