Sisyphus - Sisyphus - Cover
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Sisyphus Sisyphus


  • Label: Asthmatic Kitty/CARGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Sufjan Stevens, Serengeti und Son Lux drücken den Fels höher und höher.

Von dem fragwürdigen Titel ihres gemeinsamen Nebenprojekts s/s/s haben sich Pop-Komponist Son Lux, Folk-Musiker Sufjan Stevens und Rapper Serengeti getrennt, nachdem er sie zu sehr an eine gewisse Terrortruppe des Dritten Reichs erinnerte. Ob Sisyphus, je nach Lesart, Metapher für sinnlose oder sinnstiftende Arbeit, die bessere Alternative ist, mag letztlich aber nur jemand aus dem Marketing anzweifeln. Eine Google-Suche zu „Sisyphus“ ist dann doch sehr undankbar.

Neben der Namensänderung ging tatsächlich noch ein weiterer Änderungsprozess vonstatten. Im Gegensatz zu den vier Tracks der Beak & Claw EP von 2012, sind die Werke auf „Sisyphus“ doch merklich ruhiger geworden. Wie bei „Calm It Down“ und „Flying Ace“ begnügt sich das Trio in der Gesangsbegleitung oftmals mit simpler Percussion und langgezogenen Keyboard-Tönen. Auch wenn Elemente hinzugefügt werden, Lux'sche Elektrospielereien hinzutreten oder sich Stevens und Son Lux vokal beteiligen, bleibt der Song stimmlich minimalistisch. Doch genau darauf haben Sisyphus abgezielt, betrachtet man die ruhige, fast schon meditative Atmosphäre, die sich durch das Album zieht und vor allem in „Take Me“ und „I Won't Be Afraid“ zutage tritt.

Doch in vielen Instanzen gelingt Sisyphus eine Gratwanderung zwischen entspannter Instrumentierung und doch treibenden Beats mit Serengetis Raps. Genau das sind schließlich auch die Tracks, die auf dem Album am meisten Spaß machen. Beispielsweise „Lion's Share“, das mit einer funkigen Bassline besticht. Unangefochtene Glanzstücke des Albums sind trotzdem zwei andere. „Rhythm Of Devotion“, ein sechsminütiges Epos aus scheppernden Explosionen, French-Touch-Vocodern und abschließendem Chor, das stark an Lanterns erinnert und auch darüber hinaus mit Sicherheit lange in Erinnerung bleiben wird. Und die Track-Kombination „Dishes In The Sink“ und „Hardly Hanging On“, die sich als zweiteilige Geschichte über Trennung, Einsamkeit und den inneren Kampf mit einer Entscheidung zu leben, entpuppt.

Auch wenn „Alcohol“ als eine Antwort auf diesen Kampf verstanden werden kann: Warum der aus Nervosität vibrierende Track als Closer fungiert, bleibt Sisyphus' Geheimnis. Das Ende ist mitnichten enttäuschend oder antiklimaktisch, steht beiden Vortracks aber als massiver Stilbruch gegenüber. Diese Entscheidung wiederum steht einigen sehr guten gegenüber, die „Sisyphus“ zu einem gelungenen Album machen. Wie bei der Zusammenkunft zu erwarten, ist der musikalische Eintopf, in dem neben Serengetis Raps endlich auch Platz für Son Lux' und Stevens' Gesangseinlagen ist, immer wieder interessant anzuhören. Bleibt nur zu hoffen, dass Sisyphus' Brocken den Gipfel noch nicht ganz erreicht hat. Nah ist er ihm.

Anspieltipps:

  • Rhythm Of Devotion
  • Lion's Share
  • Dishes In The Sink
  • Hardly Hanging On

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