Olli Banjo - Dynamit - Cover
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Olli Banjo Dynamit


  • Label: Bassukah/Delta Music
  • Laufzeit: 63 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Produktion schlägt Inhalt? Weit gefehlt!

Banjo ist der deutschen HipHop-Szene nicht unbekannt. Mitte der 90er-Jahre war er als Jugendlicher erstmals von deutschem Rap angefixt und wurde Mitglied einer Crew. Für den Halb-Nigerianer war das der Beginn einer inzwischen 21-jährigen Karriere im Business mit einer ganz ordentlichen Anzahl an Alben und Mixtapes, worauf er sich aber scheinbar nicht ausruhen möchte. Neben der Arbeit an seinem Rock-Alias Wunderkynd veröffentlicht er nun als das Original seinen sechsten Longplayer: „Dynamit“.

Nicht nur Beat-Fetischisten werden mit Banjos Nummer sechs glücklich. Die Produktion, für die sich Olli Banjo mit Ausnahme von „Happy End“ komplett selbst kenntlich zeigt, ist fast durchgehend von erfrischender und hoher Qualität. Zum Skippen verführt zwar der quietschende Synth, der den Rhythmus im Refrain von „Solange“ seltsam verstolpert, und Banjos inflationäre Liebe für gepitchte Frauenvocals mag manchem ebenfalls übel aufstoßen. Doch dafür wartet im Rest des Albums eine originelle und abwechslungsreiche Mischung aus Glitch Hop, Drum & Bass („Dynamit“), schnellen Breakbeats („Ich Hoffe Der Papst...“), Dubstep und einfach nur guter HipHop-Produktion. Soweit wird die Musik dem Albumtitel durchaus gerecht.

So gar nicht bombastisch sind leider Banjos Texte und Themen. Diese bewegen sich nämlich nicht nur zum Großteil im Bereich überholten Gangster-Geposes, Fick-die-Welt-Attitüde und kaputter Beziehungen, sondern werden auch klischeebeladen vermittelt. Zeilen wie „Rapper machen Pipi und sie lutschen den Lolipop“ sind schon hartes Schulhof-Niveau, gewollt alberne Lieder über Rache am Chef und die eigene vermeintliche Opferrolle sowie Drogensucht-Metaphern für zerstörerische Liebe gibt’s wie Sand am Meer. Die Geschichte von der taffen und sexy Ghettobraut, die ihren eigenen Weg geht, ist letztlich auch nur textgewordene Männerphantasie. Banjo ist nicht mehr in der Lage, dem Ganzen einen eigenen, originellen Dreh zu verleihen, eher im Gegenteil: Alles schon mal woanders gehört!

Somit spricht fast nur die Produktion für „Dynamit“, denn auch Olli Banjos Rap-Technik lässt Wünsche offen. So solide wie 2003 auf „Dein Arsch“ flowed er auf „Dynamit“ in eigentlich keinem Stück. Glanzleistungen bleiben immerhin trotzdem nicht aus: Der Titeltrack und „Träumer“ sind technisch, wenn auch nicht durchgehend inhaltlich, Grund zum Freuen. Trotzdem muss angesichts der überwältigen Durchschnittlichkeit, die den Rest von „Dynamit“ ausmacht, gesagt werden: Gute Produktion reicht nicht für ein gutes Album.

Anspieltipps:

  • Träumer
  • Dynamit

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