Douglas Dare - Whelm - Cover
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Douglas Dare Whelm


  • Label: Erased Tapes/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Große Technik sucht packende Emotionen.

Sagen Sie mir, was Sie fühlen? Schmerz, Depression, Verlust. Diese Worte kommen einem in den Sinn, wenn Douglas Dare mit seiner jauchzenden Stimme zu kalten Piano- und Synthie-Klängen von Geschichten erzählt, die durch diese Erzählweise selbst bei banalen Themen abstrakt wirken. „Whelm“ ist ein schwerer Brocken, der Eingeweihte an Thom Yorkes „The Eraser“ erinnern könnte. Bei all der Komplexität vergisst Dare jedoch, wie Coldplays neue Scheibe „Ghost Stories“ Gefühle zuzulassen.

Glücklicherweise muss sich der Name Dare nicht mit der Erwartungshaltung wie gegenüber den genannten Künstlern auseinandersetzen und so bewundert man als Hörer in erster Linie. Wie gekonnt das kalte Schauerspiel aus Elektronik und Klavier-Pop vorgetragen wird und Dares jammernder Gesang sich mit den rhythmisch äußerst ambitionierten Arrangements Fabian Prynns vereint, ist schon aller Achtung wert. Hinter der fast schon brillanten Technik dieser Soundscapes vermisst der Hörer allerdings ganz schnell die emotionale Möglichkeit, aus dem feinen Handwerk eine musikalische Illusion zu errichten.

Wirklich verlieren kann man sich im Jammertal des Künstlers nämlich nicht. Der Hörer erfährt trotz der zu Beginn genannten Eindrücke von Schmerz und Verlust nie ein Gefühl von Trauer. Er leidet nicht mit dem Sänger, sondern dekonstruiert die einzelnen Schichten dieser Musik genüsslich oder lässt sie einfach auf sich wirken. Es ist beinahe befremdlich, wenn „Caroline“ und „London's Rose“ von Dare etwas Wärme eingehaucht bekommen. Der Sänger scheint mehr daran interessiert zu sein, wie Kate Bush eine Audio-Erfahrung zu schaffen, doch dafür ist Dares Stimme zu wenig Instrument.

Gerade das starke und tatsächlich eindringliche „London's Rose“ lässt Fragen bezüglich dieses Albums offen. Ist die fantastische Produktion mit Prynn es wert, wenn allein ein minimalistisches Stück ohne Elektronik wie „London's Rose“ Emotionen transportieren kann? Hadert der Künstler mit sich selbst oder mit einem neuen Schritt in seiner Karriere? Plus und Plus ergeben bekanntlich nicht Minus, doch Prynn und Dare schaffen es tatsächlich, sich auf der Ebene des Gefühls zu neutralisieren. „Whelm“ ist der perfekte Name für ein Album, das aufgrund seiner perfektionistischen und kalten Ästhetik weder wirklich beeindrucken, noch enttäuschen kann.

Anspieltipps:

  • London's Rose
  • Lungful
  • Unrest

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