Drone - Drone - Cover
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Drone Drone


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein cleveres Werk: Die Mischung aus hammerhartem Thrash und treibendem Rock geht voll auf.

Moritz „Mutz“ Hempel (Gesang, Gitarre), Marcelo Vasquez (Gitarre), Fabian Harms (Bass, Gesang) und Felix Hoffmeier (Schlagzeug) alias Drone, haben bisher schon den einen oder anderen Erfolg einfahren können und ihr dritter Longplayer „For Torch And Crown“ (2012) gehört definitiv dazu. Er schaffte sogar den Sprung über den großen Teich. Und umtriebig sind die Jungens aus Celle sowieso. Wer sie live sieht und sich im Pit die Fresse einschlägt, verlässt diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit als Fan. Mit Talent und Spielfreude rambolten sich die vier Musiker in so manches Herz und allmählich sind Lobeshymnen wie „eine der größten Hoffnungen der deutschen Thrash-Szene“ weitaus mehr als heiße Luft. Drone starten durch, sie meinen es ernst und sie haben mit ihrem selbstbetitelten vierten Longplayer einen Blumenstrauß an Überraschungen mitgebracht.

Einen besseren Start als „Guilt“ hätten die Jungs nicht wählen können. Aus dem sanften akustischen Intro entwickelt sich schlagartig eine Abrissbirne, die neben der Härte auch die Melodie nicht zu kurz kommen lässt. Der melodische Core-Einschlag ist bei Drone nichts Neues, wurde bisher aber noch nie so spannend untergebracht. Doublebass-Attacken folgen und machen den Opener zu einem kontrastreichen Monstrum: „Hallo, hier sind Drone. Schaut her, all das haben wir im Portfolio!“ Gelungen, ohne Frage! Es folgt „The Reason“, welches zusammen mit „Into Darkness“ und „Buried In Blue“ die Groove-Freunde glücklich machen sollte. Beachtlich ist, dass die Band mal abgesehen vom einen oder anderen pointierten Wutausbruch, weniger auf das „Höher, schneller, weiter“, sondern mit angezogener Handbremse ohne Frage auf Songwriting setzt. Das steht den Rabauken aus Celle gut und wird besonders auf Konzerten für gelungene Abwechslung sorgen. Knüppelharte Nummern haben Drone en masse - solche Songs sind es, die sie brauchen, um nicht eine x-beliebige Thrash-Kapelle zu sein.

Mit „Hammered, Fucked And Boozed“ schütteln sie dann einen waschechten Rock-Hit aus dem Ärmel, der stapfend und schnaubend nicht nur mit tollen Gitarrensoli aufwartet, sondern auch das Zeug dazu hat, abseits des Zielpublikums seine Hörer zu finden. Einen Mittelweg geht „How We Suffer“, ein melodischer Klopper, welcher sich im Refrain zu einer gewaltigen Rock-Hymne mausert. Keine Angst, Drone sind natürlich immer noch ganz die Alten. Mit dem spaßigen „Rock & Rollercoaster“, dem Ohrwurm „Beatbox Within“ und „Carry Me Home“ gibt’s mal so richtig schönes Gebolze auf die Kauleiste, auch wenn es sich anders als bei so mancher Nummer der Vergangenheit anfühlt. Dieses Album ist zu 100% Drone und hat es dennoch nicht, von sich selbst abzukupfern.

Auf die Spitze treibt es die Band mit „Hung & Over“. Fast scheint es so, als taste man sich anhand lustiger Lyrics vorsichtig an Hörer heran, die Balladen bei einer Band wie Drone kategorisch ablehnen. Gelungen ist sie aber ohne Frage und sie zeigt, dass Frontmann Moritz „Mutz“ Hempel auch die ruhigen Töne beherrscht. In den letzten beiden Tracks des Albums beweist er es erneut, auch wenn es sich streng genommen um Boni handelt: Während „Life Of Riley“ vom Debütalbum mit schwülstiger Western-Atmosphäre (Violinen inklusive!) ziemlich cool neu interpretiert wird und stellenweise mit Alternative-Rock flirtet, verabschieden sich Drone dann in der Ballade „Out In The Rain“ sogar mit Piano. Ob sie es nun übertreiben oder nicht, soll jeder Hörer selbst für sich entscheiden. Nur so viel: Die ruhige Seite steht den Jungs verdammt gut!

Zitat aus der Rezension von „For Torch And Crown“: „Der Longplayer neigt dazu in der Masse des momentanen Outputs etwas unter zu gehen.“ Nun, auf dem selbstbetitelten Album ist es komplett umgekehrt. Drone erweitern ihr Klangbild, überwinden (Genre-)Grenzen, entdecken mehr und mehr das Songwriting und haben trotzdem noch Spaß daran, ihren Fans mit hammerharten Riffs und grollender Doublebass die Schädel einzuschlagen. Dennoch müssen es Drone in Kauf nehmen, dass sich der eine oder andere Anhänger an den soften Passagen und dem im Vergleich zu älteren Alben definitiv runtergeschraubten Härtepegel stoßen wird. Trotzdem macht es die Band auf ihrem vierten Album definitiv richtig. Es wirkt wie ein Befreiungsschlag, zeigt ganz neue Seiten der Gruppe und schafft es dennoch, dass man diese noch als Drone erkennt. Alleine dafür hat das Album Beachtung verdient. Ein hartes, spannendes und ohne Frage ziemlich cleveres Werk!

Anspieltipps:

  • Guilt
  • The Reason
  • Hammered, Fucked And Boozed
  • Rock'n'Rollercoaster
  • Life Of Riley
  • Out In The Rain

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