Boozoo Bajou - 4 - Cover
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Boozoo Bajou 4


  • Label: Apollo Records/ALIVE
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Psychedelische und sphärische Lounge-Musik mit Techno-Anleihen.

Fünf Jahre nach ihrem letzten Release haben sich Peter Heider und Florian Seyberth nochmal dazu entschieden, einen Longplayer zu veröffentlichen. Sein viertes Album betitelt das Duo auch passend „4“ und verpasst ihm zehn Tracks, die Boozoo Bajous typischer Downbeat-Formel folgen. Die ist gar nicht so fest, wie der Begriff „typisch“ impliziert, sondern folgt eher den jeweiligen Launen beider Herren aus Nürnberg.

Fest steht einzig und allein die gechillte, meditative Grundatmosphäre, die allen Werken auf „4“ zugrunde liegt und durchweg psychedelisch ist. Sitarklänge und verstreute, hallende Klangschnipsel erinnern in vielen Momenten an die orientalischen Werke von Ravi Shankar und Yehudi Menuhin. Allein die teils temporeicheren Ausbrecher, die Boozoo Bajou mit Tracks wie „Kodiak“ oder „Hirta“ unternehmen, führen den Hörer zurück zu des Duos Technowurzeln, die sicher auch durch die Zusammenarbeit mit Ricardo Villalobos auf dem Album stärker hervortreten.

Neben den offensichtlichen Jazz-Einflüssen sind es genau diese Ausflüge in andere Gefilde, die „4“ davor bewahren, wie ein Versuch zu klingen, an Brain Enos „Fourth World 1“ anzuknüpfen. In dem Schatten werden sie trotzdem leben müssen. Immerhin setzen sie mit ihren eigenen experimentellen Ansätzen eigene Zeichen. Exotische Instrumente aus dem Dunstkreis des Dub, sehr präsent auf „Your Weak Fire“, in Kombination mit den psychedelischen Klängen aus Violine und Gitarre und den unaufdringlichen Technorhythmen, sind dann doch etwas, worunter Heider und Seyberth ihre eigene Signatur setzen konnten.

Und diese hat mit den Jahren an Wert gewonnen. Das beunruhigende „Tiefdruck-Hochdruck“ beispielsweise beweist, dass Chillout (eine Schublade, gegen die sie sich nach wie vor wehren) nicht immer entspannend sein muss. Und „S.A.E“, vermutlich maßgeblich von Bajous Erfahrungen aus der Clubszene beeinflusst, bricht mit seiner verhältnismäßig kurzen Spieldauer, schnellem Tempo und metallischen Klängen mit dem Grundton des Albums, ohne fehl am Platz zu wirken. So ist es nach fünf Jahren Club-Bespaßung, Nach-Sessions im Bayrischen Rundfunk und anderen DJ-Sets ein willkommenes Comeback für Boozoo Bajou ins Albumformat.

Anspieltipps:

  • Tiefdruck-Hochdruck
  • Kodiak
  • Hirta
  • Stufen-Spitzbergen

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