Westernhagen - Alphatier - Cover
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Westernhagen Alphatier


  • Label: Kunstflug/Sony Music
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
3.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Zeit der Experimente scheint vorbei. Westernhegen geht zurück zu den Erfolgswurzeln der späten 80er Jahre. Denn sind wir mal ehrlich: „Geiler is’ schon”!

Der ehemalige „Armani-Rocker” Marius Müller-Westernhagen (65) veröffentlicht knapp 4½ Jahre nach seinem letzten Werk „Williamsburg” (10/2009), das erstmals seit „Halleluja“ (08/1989) nicht mehr den ersten Platz der deutschen Album-Charts erreichen konnte, mit „Alphatier“ sein mittlerweile 19. Studioalbum, das sagenhafte 39 Jahre nach seinem gefloppten Debüt „Das erste Mal“ (01/1975) erscheint. In diesen vier Jahrzehnten hat Westernhagen als Musiker viel erlebt: Belächelte Frühwerke in den 70er Jahren, sehr solide Verkaufszahlen in den 80er Jahren und nach dem Mauerfall den ganz großen Hype mit vollen Arenen und siebenstelligen Albumverkaufszahlen.

Mit Beginn der Nullerjahre ist bei Westernhagen wieder so etwas wie Realität eingezogen. Die Verkaufszahlen haben sich nach den Millionen-Sellern der 90er Jahre mit den letzten drei Veröffentlichungen „In den Wahnsinn“ (2002), „Nahaufnahme“ (2005) und „Williamsburg“ (2009) im niedrigen sechsstelligen Bereich eingependelt und aus ausverkauften Arena-Konzerten sind inzwischen nicht immer ausgebuchte Hallen- und Club-Konzerte geworden. Aus diesem Blickwinkel ist es keine Überraschung, dass „Alphatier“ wie eine Reminiszenz an Westernhagens alte Erfolgsformel klingt, bei der der Wahl-Berliner und seine Tourmusiker Brad Rice (Gitarre), John Conte (Bass), Kevin Bents (Piano, Orgel) und Aaron Comess (Drums) rocken und rollen wie zu den besten Zeiten.

Doch ganz so einfach ist es freilich nicht! Bei immerhin 14 Songs und einer Spielzeit von mehr als einer Stunde, ist nicht alles Gold, was glänzt und ein paar schwächere Stücke wie „Keine Macht“ oder auch „Halt mich noch einmal“ schleichen sich deutlich hörbar in den Reigen aus dreckigem Bluesrock und großen Hymnen ein, der von rauen Gitarrenriffs und einem lamentierenden Marius Müller-Westernhagen in „Hereinspaziert, hereinspaziert“ eröffnet wird. Die Gitarrenklänge sind dabei, wie auch beim Titeltrack, von keinem Geringeren als dem Gitarrengott Jimi Hendrix inspiriert („Purple haze“ lässt grüßen...). Den etwas hakelig getexteten Refrain blenden wird der Einfachheit halber allerdings aus.

Neben kernigen Rocksongs waren gefühlvolle Balladen immer eine besondere Stärke von Westernhagen. Mit Titeln wie „Liebe (um der Freiheit Willen)“ und „Wahre Liebe“ kommt der 65-Jährige diesem „Auftrag“ des Publikums auch hier nach, wobei das fast 6½ Minuten lange „Liebe (um der Freiheit Willen)“ keine Schmachtballade darstellt, sondern einem überdrehten Aufruf gleichkommt: „Brüder, Schwestern, verbrennt das ewige Gestern / Freiheit für alle Rassen, für alle Kulturen / Für die Medien, für die Kunst / für die Junkies, für die Huren / für die Lesben, für die Schwulen / Für die Frauen, für unsere Kinder.

Darüber hinaus schmiegen sich „Oh, Herr“ und „Engel, ich weiss“ als hymnische Midtempo-Songs ins Gehör, „Clown“ und „Was ich will bist du“ kommen als polternde Rolling-Stones-Verschnitte aus den Boxen gerumpelt und „Verzeih“ sowie „Liebeslied“ machen als leicht irre Südstaaten-Blues-Stücke Spaß. Das ergibt unterm Strich ein gutes Album „im alten Stil“ von Marius Müller-Westernhagen, der seine Position als Alphatier in der deutschen Pop- und Rockszene zwar ein wenig eingebüßt hat, aber mit seinem 19. Studioalbum nochmals beweist, dass er kämpfen und zurückbeißen kann!

Anspieltipps:

  • Clown
  • Alphatier
  • Wahre Liebe
  • Engel, ich weiss
  • Was ich will bist du

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