Ratking - So It Goes - Cover
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Ratking So It Goes


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu empfehlende Schablone für jungen HipHop in 2014 und jenseits dieses Jahres.

King Krules Lieblings-Rap-Crew aus New York gibt sich die Ehre. Mit ihrer EP „Wiki93“ hatten sie Anfang 2013 schon für Wirbel in der Blogosphäre gesorgt, noch bevor Chance und Joey Bada$$ auf der Bildfläche erschienen. Frischer HipHop aus der Feder vierer Jungs im Teenager-Alter mit gelocktem und krausem Haar. Die eine Hälfte dedizierte Produzenten. Wiki und Hak, die andern zwei, rappen. Dabei bildet Wiki, augenscheinlich der Jüngste, den Kern der Truppe. Seine Zahnlücke, sozusagen sein Markenzeichen, verleiht ihm die Aura des frechen, energetischen Bengels. Ein Bild, das zutrifft.

Auf ihrem Debüt „So It Goes“ geben sie sich schließlich alle Mühe, frisch zu bleiben. Die Raps in „*“ sind drängelnd und arrogant, die Soundkulisse ein Vorhang aus hämmernden Beats und übereinander gelagerten Vocal-Samples. Die Stimmung ist und bleibt unruhig, nur um dann in der Mitte von „Snow Beach“ plötzlich umzuschlagen und sich zumindest musikalisch mit Trompeten-Einlagen zu beruhigen. Doch die Raps bleiben schnell, stolpernd. Man wird das Gefühl nicht los, dass Hak und Wiki dringende Geschichten zu erzählen haben und es mit der Musik als Plattform einfach aus ihnen heraus sprudelt.

Wirklich zur Ruhe kommen sie erst auf dem vorab veröffentlichten „So Sick Stories“ mit King Krule und seinem typischen Blues-Vibe. Doch auch der ist nur ein Zwischenstopp auf diesem ekstatischen Trip. Mit „Remove Ya“ drehen sie das Tempo wieder hoch. Mit der Textzeile „We Some Mutts“ spielen sie gleich zu Beginn auf ihre Debüt-EP an, bei der sie mit „Pretty Picture“ Polizeiwillkür gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund thematisieren. Hier wird die Brücke, die Ratking zwischen Sound und Thematik schlagen, am deutlichsten. Die Produktion, eine stilistische Mischung aus melancholischen Samples alter Schule, verzerrten, weiblichen Vocals und aktuellen Snare-lastigen Beats, hätte in der Form auch problemlos auf Schoolboy Qs aktuelle Platte gepasst. Doch im Gegensatz zu Q, nutzen Ratking das Tempo und die von der Produktion gestützte Gangster-Attitüde, um ihren kritischeren Themen mehr Druck zu verleihen.

Trotz aller angesprochenen Problematik ist „So It Goes“ eine Hymne an das Leben, ein Tribut an Ratkings Heimatstadt, die sich in der Energie des Albums widerspiegelt. Ähnlich wie DJ Rashad, der auf dem Cover von „Double Cup“ Chicagos Nachtleben honorierte, verewigen Ratking das New Yorker Straßennetz um Lower Manhattan, den East River und Brooklyn auf ihrem Album. Doch nicht nur New York setzen sie ein Denkmal. Auch sich selbst. Die wahren Umbrüche finden im Untergrund statt. Ratking sind der Beweis dafür.

Anspieltipps:

  • Canal
  • Snow Beach
  • So It Goes
  • Puerto Rican Judo

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