Triptykon - Melana Chasmata - Cover
Große Ansicht

Triptykon Melana Chasmata


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 67 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dieser Platte dürfen Triptykon endlich ohne Bedenken in einem Satz mit Hellhammer und Celtic Frost genannt werden!

Der Start ist nicht ganz geglückt. „Eparistera Daimones“ (03/2010), das unter dem Banner Triptykon die Pionierarbeit von Thomas Gabriel Fischer (Gesang, Gitarre) weiterführen sollte, hatte seine eindringlichen und fesselnden Momente, verstand sich aber mehr als Experimentierfeld für alle möglichen Eindrücke, die der 50-jährige Black/Death Metal-Pionier zu dieser Zeit im Ärmel hatte. Mehrere Leerläufe und verstörende Momente waren die Folge, was manch einem an den Erziehungsmethoden für das neue Kind des „Warrior“ zweifeln ließ. Zudem kam mit der EP „Shatter“ (10/2010) im selben Jahr ein schmuckloses Begleitwerk in die Läden, das sich vor allem durch seine nichtssagende Attitüde auszeichnete und daher nicht viele Runden im Abspielgerät drehen durfte. Mit V. Santura von Dark Fortress (Gitarre, Gesang), Vanja Slajh (Bass, Gesang) und Ex-Fear My Thoughts-Mitglied Norman Lonhard (Schlagzeug, Perkussion) als festes Line-up im Rücken, schuf Fischer nun aber ein ganz anderes Klanggemälde, das selbst den letzten Celtic Frost-Output „Monotheist“ (05/2006) in den Schatten stellt und sich auf Augenhöhe mit den besten Werken aus der Diskographie des Schweizers befindet.

Dabei beginnt „Melana Chasmata“ mit „Tree of suffocating“ noch ganz traditionell als geschwärzter Death Metal-Prügel mit „Uh!“, verzerrter Riffwand und präzise ausgeformtem Rhythmus, wandelt sich dann aber während seiner achtminütigen Laufzeit in einen Behemoth aus gnadenlosen Riffs, donnernden Doublebasseinlagen und einem sinnvoll zu Ende gedachten Spannungsbogen, der den Hörer erst einmal nach mehr bettelnd zurücklässt. Das anschließende „Boleskine house“ erwidert diese Bitte mit einem atmosphärisch-dichten Lavamonster mit weiblichem Gesang als Bonus, während „Altar of deceit“ den Vulkan erneut brodeln lässt und mit den typischen Trademarks von Fischers Oeuvre spielt, die in „Breathing“ völlig über den Haufen geworfen werden. Hier herrscht nämlich nicht nur ein gnadenlos genialer Groove vor, auch die häufigen Breaks halten den Song frisch und zeugen von der Weiterentwicklung Triptykons, die vorbei an allen Trends ihr eigenes, faszinierendes Süppchen kochen.

Als Meister von stimmungsvollen Klanggebilden stellt Thomas Gabriel sein Können im sich langsam ausbreitenden „Aurorae“ zur Schau, welches abgesehen von seiner wunderschönen Aura auch aufgrund seines heranwachsenden Gestus mit abschließender Katharsis bereits die Eintrittskarte für „Melana Chasmata“ wert ist. Das folgende „Demon pact“ lässt ebenfalls nicht locker und vermengt Hörspielsounds mit dramatischer Perkussion, was nichts anderes als eine grandiose Soundwand zur Folge hat, die das Herz rasen lässt. Den einzigen Durchhänger leisten sich Triptykon im zähflüssigen „In the sleep of death“, in dem sich wehmütige Doom-Klänge, seufzende Gitarren und ein hörbar erregter „Warrior“ zu einem allzu behäbigen Track über eine gewisse Emily formen. Dann doch lieber den 12 ½ Minuten langen Brocken „Black snow“, der jede Sekunde sinnvoll zu nutzen weiß und mit Atmosphäre zum Schneiden glänzt. Wer also jemandem erklären möchte, was im Metal unter „heavy“ und „bedrohlich“ zu verstehen ist, wird in Zukunft diesen Track als Hörbeispiel im Lexikon finden.

Zum Ausklang präsentieren uns Triptykon mit „Waiting“ streng genommen keine Komposition im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr einen Beitrag für einen düsteren Coen Brothers-Film, der mit seiner ab- und anschwellenden Haltung und dem einschlagenden Schlagzeugeinsatz stante pede für die nächste Produktion (Voraussetzung ist ein dunkles oder den Abgründen der menschlichen Seele gleichgesetztes Thema) der genialen Filmemacher verpflichtet und eingesetzt werden könnte. Diese veränderte Herangehensweise des Songs allein zeugt von der Vielfalt in Fischers Schaffen, was zur Folge hat, das „Melana Chasmata“ als Ganzes überhaupt nicht wie eine stinknormale Extreme Metal-Platte funktioniert, die diversen Konventionen unterliegt, sondern wie ein eigenständig denkendes und atmendes Wesen, das trotz des fest vorgeschriebenen Bewegungsradius der CD über diesen hinauswächst und im Kopf des Hörers zu etwas mutiert, das beim Betrachten eines Picasso-Gemäldes oder eines David Lynch-Films auftritt: Das Gefühl, Teil von etwas Einzigartigem zu sein!

Anspieltipps:

  • Aurorae
  • Breathing
  • Black Snow
  • Demon Pact
  • Tree Of Suffocating Souls

Neue Kritiken im Genre „Black Metal“
7/10

International Blackjazz Society
  • 2015    
Diskutiere über „Triptykon“
comments powered by Disqus