Sebastian Hackel - Tageszeitenkurier - Cover
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Sebastian Hackel Tageszeitenkurier


  • Label: Welcome Home Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Unaufgeregte, durchdachte Musik von einem sympathischen jungen Mann.

Das Cover: Ein Typ, der barfuß auf einem Uhrzeiger sitzt und lässig in die Ferne blickt, blonde lange Dreadlocks, individuelle Kleidung. Fehlt nur noch eine Gitarre? Auch die hat Sebastian Hackel zu bieten, sobald man die CD anhört. Über solche Menschen schreibt man gerne: 27 Jahre alt, ausgebildeter Erzieher, hat seine musikalische Karriere nur einem zu verdanken: sich selbst. Keine Castingshows, keine aufgebauschten Selbstinszenierungen und kein Vitamin-B dieser Welt haben diesem sympathischen Wahl-Dresdener geholfen, dorthin zu kommen, wo er heute steht: vor der Veröffentlichung seines zweiten Albums „Tageszeitenkurier“.

Selbstverständlich gab es auch in Hackels Biographie Menschen, die ihm unter die Arme gegriffen haben, doch immer aus dem Grund, dass sie sein Talent sahen und fördern wollten. Das begann vor vier Jahren, nachdem Hackel vom Schlagzeug zur Akustikgitarre wechselte und erstmals deutsche Lieder schrieb. 2Raumwohnung waren seine ersten Supporter, Tom Liwa folgte kurze Zeit später und nahm den jungen Musiker unter seine Fittiche. Der Auftritt in Ina Müllers nächtlicher TV-Show vor der Veröffentlichung des Debüts verhalf ihm dann sogar zum Durchbruch.

Mit dem zweiten Album will der junge Mann, der seine Songs selbst und gerne nachts schreibt, da anknüpfen, wo er aufgehört hat. Seine Texte und Melodien sind also wieder melancholisch, ohne in die Traurigkeit abzudriften. Doch dazu später mehr. Zunächst soll erwähnt sein, dass „Tageszeitenkurier“ eine Art Bandalbum-Debüt darstellt, denn dieses Mal hat der Künstler Unterstützung von innerhalb bekommen. Willi Sieger, Laurenz Karsten, Julius Kraft und Toralf Schrader heißen die Jungs, die E-Gitarren, Bass und Gesänge hörbar machen, auf einer Platte, die sich trotzdem um die Sichtweise eines Einzelnen dreht.

Sebastian Hackel verarbeitet in seinen Songs seine ganz eigenen Ansichten, Gefühle, Gedanken und das immer mit einer unbeschreiblichen Sorgfalt. Der introvertierte Musiker legt nach eigenen Angaben größten Wert darauf, das, was er ausdrücken möchte, in ein allgemeingültiges Format zu übersetzen. So sollen Missverständnisse möglichst ausgeschlossen werden. Was nach einer Menge Arbeit und ein bisschen Kontrollzwang klingt, bringt Texte zum Vorschein, die viel unspektakulärer und unaufgeregter klingen, als es vielleicht angesichts des Anspruchs zu erwarten gewesen wäre.

Dabei entstehen ruhige Songs, die „Schlimm“ heißen, in denen Hackel aber davon singt, dass „alles nicht so schlimm“ ist und flotte Lieder, in denen er bekundet: „Soll die Welt sich doch drehen“. Mal ist er auf dem „Laufband“, mal geht es um einen „Elefanten“, mal singt er „Vom Wetterteil die Texte“. Laut seiner Plattenfirma entstehen diese Stücke an den verrücktesten Orten, zum Beispiel an kompletten Vormittagen unter der Dusche. Und das macht sie so sympathisch, so gefühlvoll, so authentisch. Die Platte birgt keine Möchtegern-Mainstream-Risiken, denn es fehlen die typischen Hits. Dafür birgt sie aber auch keine Nebenwirkungen. Man kann einfach so zuhören, sich ein bisschen berauschen lassen, die Welt nehmen wie sie ist. Oder auch anders.

Anspieltipps:

  • Laufband
  • Soll die Welt sich
  • Vom Wetterteil die Texte
  • Ein Elefant

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