Emmylou Harris - Wrecking Ball (Deluxe Edition) - Cover
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Emmylou Harris Wrecking Ball (Deluxe Edition)


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 150 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wiederveröffentlichung des Übergangsalbums der großen Dame des Country-Folks von 1995.

Die flirrende, neblig-melancholische Produktion von Daniel Lanois entführt den Hörer in eine akustisch-magische Parallelwelt. Der Kanadier Daniel Lanois bestimmt mit diesem cineastischen, Ambient-beeinflussten Country-Folk-Sound auch Bob Dylans „Oh Mercy“ und „Time Out Of Mind“. So wie diese Alben für Bob Dylan eine Rückkehr zu alter Stärke bedeuteten, so markierte „Wrecking Ball“ für Emmylou Harris eine vollständige Metamorphose von der ehrwürdigen Country-Folk-Prinzessin zur ambitionierten Dark-Americana-Künstlerin. Erste Höhenflüge erlebte ihre Karriere als Duett-Sängerin beim Country-Rock Pionier Gram Parsons Anfang der siebziger Jahre. Sie entwickelte sich nach dessen viel zu frühem Tod kontinuierlich zu einer selbstbewussten Ikone des seelenvollen, Country-Folk-durchzogenen Liedguts weiter. Mit einem aus heutiger Sicht beachtlichem Back-Katalog und einer unüberschaubaren Anzahl von Gastauftritten festigte sie ihren Ruf als Sängerin mit überragendem emotionalem Gespür. Sie erzeugt instinktiv die passenden Schwingungen und veredelte auf diese Weise auch Aufnahmen von Rodney Crowell, Neil Young und Bob Dylan, denen sie hier wiederum Tribut zollt.

Emmylou lässt ihren unvergleichlichen, in schönem Schmerz badenden, einfühlsamen und dabei auch tröstlichen Gesang über dem ausgewogenen Klangteppich von „Wrecking Ball“ schweben. Egal, in welchem Kontext sie zu hören ist, findet sie das richtige Timing, um die gewünschte Stimmung adäquat zu unterstützen. Mit anderen Worten: Ihr Gesang lenkt die Komposition, ohne dass sie sich marktschreierisch in den Mittelpunkt stellt.

Benannt ist das Album nach einem Neil Young-Song von dessen „Freedom“-Album aus 1989. Dieses Lied ist hier auch vertreten und der Meister singt bei diesem wie aus einem Tagtraum langsam auftauchenden Gebilde im Hintergrund. „Wrecking Ball“ erschien erstmalig 1995 und wird jetzt als wertige Neuauflage mit 3 Discs wiederveröffentlicht. CD 1 enthält das klanglich überarbeitete Originalalbum. CD 2 bietet neun Alternativ- und Demo-Versionen sowie 4 damals nicht verwendete Songs. Darunter eine unter die Haut gehende Cover-Version von Richard Thompson`s „How Will I Ever Be Simple Again“. Die dritte Scheibe ist eine 50-minütige DVD mit Impressionen von den Aufnahme-Sessions nebst Kommentaren zu den Songs. Es gibt außerdem auch Live-Einspielungen und Video-Ergänzungen zu sehen.

Die Song-Kollektion der Erstauflage bestand bis auf zwei Emmylou Harris-Co-Kompositionen nur aus Fremdmaterial. Dreimal wird Produzent und Mitmusiker Daniel Lanois als Schöpfer genannt und auch sonst bedient sich Emmylou ausnahmslos bei einer Songwriter-Elite. Herausstechend sind dabei das hymnische, pulsierende „All My Tears“ von Julie Miller sowie das beschwörende, unerschütterliche „Deeper Well“. Letztgenanntes Stück nennt als Co-Autor David Olney, ein Songwriter-Urgestein der alternativen Nashville-Szene. Auch das einnehmend-sanfte „Sweet Old World“ von Lucinda Williams und das folk-basierte, traurige „Goin` Back To Harlan“ der McGarrigle-Geschwister können speziell verzaubern. Unerwartet und raffiniert wird „May This Be Love“ von Jimi Hendrix umgesetzt. Aus der Vorlage, die mit Temposprüngen durchsetzt ist, wird ein dem Gesamtsound angepasster, organisch fließender Song mit grummelnden, schwingenden Gitarren-Läufen.

Auf „Wrecking Ball“ wird durchgängig ein hohes Niveau gehalten, so dass das Werk nicht nur aufgrund des Sound-Wechsels eine Sonderstellung im Repertoire der Ausnahmekünstlerin einnimmt. Auch die üppigen Bonus-Beiträge sorgen dafür, dass diese Ausgabe eine lohnende Anschaffung ist.

Anspieltipps:

  • All My Tears
  • Deeper Well
  • Goin` Back To Harlan
  • Sweet Old World
  • May This Be Love
  • How Will I Ever Be Simple Again

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